Paare, die sich ein Kind wünschen, bekommen oft alle möglichen Tipps zu hören. Nicht alle sind seriös, manche sind reine Legenden. Sich mit dem Thema gesunde Ernährung zu beschäftigen, kann jedenfalls nicht schaden - und Bewegung auch nicht.
«Es gibt keine evidenzbasierten Studien, die beweisen, dass bestimmte Lebensmittel die Fruchtbarkeit von Frauen erhöhen können», versichert Werner Harlfinger vom Berufsverband der Frauenärzte. Trotzdem sei es wichtig, dass Frauen mit Kinderwunsch auf ihre Ernährung achten. Allgemein sei es für stark übergewichtige Frauen deutlich schwieriger, schwanger zu werden. Eine Abmagerungskur sollten Frauen mit Kinderwunsch aber nicht machen. Denn während einer Diät fehlen dem Körper häufig Nährstoffe. «Allzu dünn ist auch nicht gut. Der Körper einer Frau mit solcher Statur weiß, dass sie nicht schwanger werden sollte.» Denn Mangelerscheinungen durch Untergewicht können den Stoffwechsel beeinflussen und den Eisprung verhindern.
Schon ab dem Zeitpunkt, an dem die Entscheidung für ein Kind fällt, sei es gut, Folsäure zu sich zu nehmen. Mangelt es dem Körper einer werdenden Mutter daran, kann sich das Nervensystem des Fötus nicht gesund entwickeln. Während der Schwangerschaft steige der Bedarf so stark, dass eine gesunde Ernährung kaum ausreiche. Harlfinger empfiehlt daher, Folsäurepräparate schon vorher einzunehmen. Es sei möglich, dass der Körper sich so eher für die Schwangerschaft bereit fühlt.
Auch für Männer gilt: «Sie sollten in erster Linie auf ausgewogene Ernährung und körperliche Bewegung achten», erklärt Prof. Frank Sommer vom Institut für Männergesundheit der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Als speziellen Ernährungstipp empfiehlt er die Aminosäure Arginin. «Sie ist sehr wichtig für viele Prozesse in Hoden und Penis und kann positiv auf Dynamik und Fitness der Spermien wirken.»
Getreideprodukte, Sojabohnen und Nüsse enthalten viel Arginin. Eine positive Wirkung habe außerdem Zink: Das Spurenelement mache Spermien widerstandsfähiger. Es ist in Hülsenfrüchten, aber auch Äpfeln und Bananen reichlich vorhanden.
Sport sei sehr zu empfehlen, wenn er nicht übertrieben werde. «Wer brutal Ausdauersport betreibt, bewirkt das Gegenteil und schadet der Fruchtbarkeit eher.» Denn durch ein sehr hohes Trainingspensum können die Hormone durcheinandergeraten. «Dass Rauchen und Alkohol schädlich sind, sollte sowieso klar sein», sagt Sommer. Allerdings sei zu beachten, dass die Produktion von Spermien drei Monate dauert. Selbst wer alles beherzigt, sollte nicht sofort mit Ergebnissen rechnen.
Neben körperlichen Voraussetzungen sei auch eine mentale Bereitschaft von Frau und Mann sehr wichtig. «Ein Paar mit Kinderwunsch muss sich darauf einstellen, dass das Thema eine beherrschende Rolle spielen wird», warnt Tewes Wischmann vom Institut für Medizinische Psychologie der Universitätsklinik Heidelberg. Ganz besonders, wenn der Wunsch nicht sofort erfüllt werde, könne es den Alltag dominieren. «Dem Kinderwunsch Raum geben, diesen aber begrenzen», lautet Wischmanns Empfehlung.
Eine Beeinträchtigung der Sexualität sei meist vorübergehend und die Sache wert. Manche Menschen hätten zwar ein Problem mit dem Beischlaf nach Termin. «Geschlechtsverkehr muss ja nicht immer super-romantisch sein», sagt der Diplompsychologe. Er empfiehlt, klar zu trennen zwischen Sex zur Fortpflanzung und der Lust aufeinander, für die natürlich auch Zeit bleiben müsse. «Um Gottes Willen sollten Paare nicht nur Sex haben, wenn die Frau ihren Eisprung hat. Sich aufsparen erhöht die Chancen nämlich nicht», ergänzt Harlfinger.


































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