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Ausstellung zeigt Zeichnungen aus dem DDR-Satiremagazin „Eulenspiegel“

18 Jahre nach dem Mauerfall zeigt das Museum Haus Ludwig in Saarlouis „Klassiker der ostdeutschen Karikatur“. Zu sehen sind rund 250 Arbeiten aus fünf Jahrzehnten von den besten Karikaturisten des DDR-Satiremagazins „Eulenspiegel“.

esb

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Eulenspiegel wird 50


Saarlouis. (19.09.08) Wie macht man Satire, die niemandem – außer den „imperialistischen Feinden im Westen“ – weh tun soll? Eine Auswahl von Zeichnungen elf bedeutender ostdeutscher Karikaturisten, die für das 1954 gegründete, quasi staatliche DDR-Satiremagazin „Eulenspiegel“, arbeiteten, verdeutlicht die Gratwanderung, zu der die Zeichner – immer mit der Schere im Kopf – bei ihrer Arbeit gezwungen waren. Und so muten die DDR-Cartoons, die im Saarlouiser Museum Haus Ludwig bis Januar hängen, politisch harmlos an – wenn auch oft nur auf den ersten Blick. Zumal der Betrachter heute einiges an hämischer, boshaft-satirischer Darstellung gewohnt ist und fast alle darstellerischen Tabus – von der nackten Angela Merkel bis hin zur Mohammed-Karikatur – gefallen sind. Honecker und seine Genossen ließen sich freilich nicht karikieren. Daher sei Eulenspiegel-Satire „wie Autofahren mit angezogener Handbremse“ gewesen, formuliert es Ernst Röhl, langjähriger Redakteur des heute noch erscheinenden Magazins.

Während die Cartoons ab dem Wendejahr 1989/90 „Wessis“ wie „Ossis“ gleichermaßen ansprechen, bedarf es bei mancher Zeichnung aus den Jahrzehnten davor eines ganz eigenen Zeichen-Sprachverständnisses, um die gut verpackte System-Kritik darin zu entschlüsseln. Dafür braucht man Zeit – auch um in alten „Eulenspiegel“-Ausgaben zu schmökern. Nichtsdestotrotz schmunzeln auch Sozialismus-unerfahrene „Wessis“ über viele zeitlose Motive. Da sind Barbara Henningers großartige Karikaturen mit feministischem Touch. Oder Manfred Bofingers plakative Arbeiten – einer der bekanntesten DDR-Grafiker.

Und motivisch? Die in der DDR-Planwirtschaft heiß begehrte Banane taucht immer wieder auf. Auch die Schreibtisch-Täter im bürokratischen Überbau des Arbeiter- und Bauernstaates werden auf vielerlei subtil-köstliche Art veralbert. Mit dem Mauerfall werden die Motive zynischer, der „Wessi“ gesellt sich zum „Ossi“. Die DDR-Karikaturisten, die jahrelang linientreue Kunst ablieferten, holen endlich die spitze Feder raus. esb
Läuft bis 4. Januar 2009.
Beitrag vom: 23.09.2008, 15:32


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