Der gute alte Setzkasten, in dem einst Figuren, Flakons und persönliche Kleinigkeiten ausgestellt wurden, hat längst ausgedient. Und in einem ganz normalen Regal lassen sich persönliche Gegenstände und Sammlungen nicht wirklich zur Geltung bringen. Doch welche Lösungen für Regale gibt es, damit diese ans Herz gewachsenen Gegenstände einen angemessen Rahmen bekommen? Lohnt vielleicht die individuelle Fertigung eines Möbelstücks?
Ganz gleich, ob es sich um Erinnerungsstücke aus der Kindheit handelt, um eine wertvolle Sammlung oder um Souvenirs der letzten Reisen: «Heutzutage werden eher größere Regale, Vitrinen und individuellere Lösungen genutzt», sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef bei Bonn. «Oft werden sie auch in Wohnwände integriert.»
Vitrinen können in individuellen Varianten entweder vollständig aus Glas sein oder ein Mix aus Holz und Glas. Glas ist allerdings kein sonderlich pflegeleichtes Material. «Fingerabdrücke und Staub werden darauf schnell sichtbar», betont Geismann. Wer eine preiswertere Alternative zum Glas sucht, könne auf Plexiglas oder Acryl zurückgreifen. «Das ist dann aber sehr kratzanfällig.»
Vor allem ist es wichtig, sich vorab gut zu überlegen, was in einem Regal ausgestellt werden soll und wie das am besten in das Raumkonzept integriert wird. «Das ist natürlich individuell ganz unterschiedlich», sagt Gritt Bartels aus Gelsenkirchen, Mitglied im Bund Deutscher Innenarchitekten . «Wer Gegenstände aus der Vergangenheit ausstellen will, kann sich dafür ein paar einzelne Regalkuben wie einen Zeitstrahl an die Wand montieren.» Oder man greift auf so etwas wie den Setzkasten von der Firma Tecta zurück, der auf einem Metallständer steht und mit einem Kubus im Kubus vielfältige Dekorationsmöglichkeiten bietet.
Soll der Fokus nur auf einem besonderen Stück liegen, könnte eine Öffnung in der Wand mit Glas und passender Beleuchtung eine Lösung sein. «Oder man erweitert das eigentliche Möbel an der Seite mit einem Regalboden über den Regalrahmen hinaus, um dort einen Gegenstand auf eine besondere Art zu platzieren», sagt Bartels. Darüber hinaus lassen sich auch bereits vorhandene Flächen nutzen - etwa eine Vertiefung unter einem Tisch mit Glasoberfläche.
Wer hingegen will, dass sich das Gesicht eines Zimmers immer wieder verändert oder wessen Sammlung stetig wächst, sollte auf erweiterbare Regalsysteme zurückgreifen. Eine Möglichkeit dazu bietet etwa das Regalsystem Konnex von Florian Gross, bei dem sich verschiedene Kuben zusammenzustecken lassen.
Doch man findet nicht immer das richtige Regal. In diesem Fall könnte ein Tischler ein Stück anfertigten. «Das ist auch nicht zwangsläufig teurer als im Möbelhaus», berichtet Möbelexpertin Geismann. Es kann auf die besonderen Erfordernisse der Sammlung angepasst werden. «Wenn es sich beispielsweise um Dinge handelt, die auf dem Untergrund nicht rutschen dürfen, kommen vielleicht eher in Leder gefasste Regalböden infrage», sagt Bartels.
Generell sollte man nach Ansicht von Uwe Linke bedenken, dass ein offenes Regal viel Unruhe in einen Raum bringt. «Zwar können die meisten Menschen auch die Leere in einem Raum schlecht ertragen, aber zum Bersten gefüllte Regale und Möbel lassen keinen Platz, um Ruhe zu finden», erklärt der Wohnpsychologe aus München. «Es ist daher nicht empfehlenswert, es gegenüber des Raumeingangs oder des Sitzplatzes zu platzieren, da man sonst gezwungen ist hinzusehen.» Zudem hinterlasse alles, was man täglich sehe, einen Eindruck - unabhängig davon, ob die Wahrnehmung bewusst geschehe. «Regale mit Gegenständen, die man eigentlich nicht mag oder die nur deswegen ausgestellt werden, weil es sich um ein Geschenk handelt, wirken als seelischer Ballast.»
Literatur:
Uwe Linke: Die Psychologie des Wohnens, Nymphenburger, 17,99 Euro, ISBN-13: 978-3485013086


































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