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Detroit

Der Willys MB war der erste Jeep der Welt

Von Thomas Geiger, dpa

Entwickelt wurde er für den Einsatz im Zweiten Weltkrieg. Doch als die militärische Karriere des Willys MB zu Ende ging, wartete auf das grobe Fahrzeug eine zweite Karriere. Vor 70 Jahren eingeführt, legte er den Grundstein für die Marke Jeep. (Veröffentlicht am 13.12.2011)

Willys MB

Spartanische Ausstattung: Beim Willys MB steht reine Funktionalität im Vordergrund. (Foto: Thomas Geiger)Foto:

Willys MB

«Go Devil» - so wurde der Vierzylinder des Willys MB auch genannt. (Foto: Thomas Geiger)

Willys MB

In der Zeit von 1941 bis 1945 liefen 600 000 Exemplare des Kriegs-Jeeps Willys MB von Band. (Foto: Thomas Geiger)

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Was Tempo für Taschentücher oder Tesa für Klebestreifen, das ist Jeep für Geländewagen: Ein Synonym, das seit mehr als einem halben Jahrhundert weltweit Bestand hat. Den Grundstein dafür legte der Willys MB. Er gilt als Urvater des Geländewagens und feierte 2011 seinen 70. Geburtstag.

Als die USA kurz vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg standen, fehlte der Army das passende Auto. Deshalb hatten die Militärs 1940 nach Angaben aus dem Archiv von Chrysler in Detroit über 130 Autohersteller um den Entwurf für ein leichtes, universelles Geländefahrzeug gebeten. Allerdings waren die Kriterien so streng, dass am Ende nur drei Firmen mitmischten.

Dass in dem Auswahlverfahren ausgerechnet der kaum bekannte Hersteller Willys den Zuschlag bekam, lag neben dem geringen Preis und der robusten Konstruktion angeblich am Motor. Denn unter der kantigen Haube des Prototypen steckte ein Vierzylinder mit dem Namen «Go Devil»: Bei 2,2 Litern Hubraum kam er auf 44 kW/60 PS und damals buchstäblich teuflische Fahrleistungen im Gelände.

1941 ging der Wagen als MB in Serie, auch bei Ford wurde er in Lizenz gefertigt. Wer den Willys heute fährt, kann über ein Spitzentempo von 105 km/h zwar nur lachen. Doch Tempo war bei seinen Einsätzen in den zerbombten Straßen von Dresden oder den Wüsten Nordafrikas eine vergleichsweise untergeordnete Größe.

Außerdem möchte man 70 Jahre nach der Jungfernfahrt nicht viel schneller mit einem Auto fahren, das nicht viel mehr Ausstattung bietet als einen klapprigen Stoffsitz, ein dürres Lenkrad und als einzigen Schutz eine kleine Kette, die die Tür ersetzt. Dafür gibt es kaum eine Piste, die der Willys nicht bewältigen könnte.

Kurz, schmal und federleicht, wühlt sich der Jeep mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb heute noch geschickt durch den Matsch. Und falls er doch mal stecken bleibt, prangen an der Flanke Axt und Spaten, mit denen man sich freie Bahn schaffen kann. Falls die Scheiben verdrecken, kommt ebenfalls noch Muskelkraft zum Zug: Der Scheibenwischer läuft nur per Handkurbel. Und bis das Verdeck geschlossen ist, kann man auch ein Mannschaftszelt aufbauen.

Die Karriere des MB währte offiziell nur bis zum Kriegsende. Nach 1945 arbeiteten die Amerikaner bereits an einer zivilen Version, der später mit dem Willys Jeep Wagon der Urvater des SUV folgte. Ab 1953 wurde Willys unter dem Namen Kaiser-Jeep vermarktet. Über AMC und Renault ging die Marke Jeep 1987 an Chrysler und gehört nun zum Fiat-Konzern. Zum Jubiläum hat Fiat eine «Anniversary-Edition» des optisch eng mit dem MB verwandten Ur-Enkel Wrangler aufgelegt.

Bis zum Kriegsende wurden über 600 000 Willys MB auf die Räder gestellt. «Es gibt noch ausreichend alte Autos», sagt der Sammler Franz-Gerd Haas aus dem saarländischen Wadern. Allerdings ist bei der Suche nach dem richtigen Modell ein wenig Vorsicht angebracht. Denn von 1956 bis 1968 wurden noch einmal fast 30 000 Exemplare von Hotchkiss in Frankreich als Lizenzmodell gefertigt. «Nicht immer weisen die Verkäufer auf diesen Umstand hin», warnt Haas.

Im Gegenteil: In einschlägigen Kaufberatungen auf Internetseiten oder in Fachmagazinen liest man immer wieder von schwarzen Schafen. Sie dichten ihren Oldtimern sogar Kriegsgeschichten an, um die Preise in die Höhe zu treiben. 1941 kostete der Wagen 739 Dollar, 70 Jahre später sind deutlich höhere Summen fällig. «Ein sammlerwürdiges Fahrzeug in fahrfähigem Zustand mit allem Zubehör kostet heute 20 000 Euro und mehr», sagt Franz-Gerd Haas. Zudem seien Ersatzteile teuer geworden. Dagegen gebe es kaum technische Hürden bei der Restaurierung: «Der Willys wurde so einfach konstruiert, dass Schwachstellen gut zu entdecken sind.»

Den Kreis der Fans hält Haas für vergleichsweise klein: «In Deutschland dürften vielleicht etwas mehr als 500 Autos unterwegs sein», schätzt der Experte. Im benachbarten Ausland sehe das allerdings anders aus. «Die größten Bestände gibt es in Frankreich, Belgien, Holland und England», sagt Haas und gibt dem Jeep dort sogar eine politische Bedeutung: «Immerhin war der Jeep für diese Länder das Auto, das sie vom Nationalsozialismus befreit hat.

Gefahren wird der Willys aber längst nicht nur von Sammlern und Fans der Marke, sagt der Experte. Vor allem Bergbauern, Förster und Jäger hätten den Klassiker noch heute im Einsatz. «Die schätzen ihn weniger für seine Geschichte als für seine Fähigkeiten. Ob vor 70 Jahren oder heute: Mit einem MB kommt man einfach überall hin.»

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