Roeder wurde am 10. Juni 1901 in Hellertshausen nahe Hoffenbach im Hunsrück geboren. Der Ort gehört heute zum Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Sein Vater war Lehrer und wurde mehrfach versetzt. So wuchs der Junge in Scheidt an der Saar auf, das inzwischen als Ortsteil des Stadtbezirkes Dudweiler zu Saarbrücken gehört. In Scheidt fungierte sein Vater als Lehrer, Chorleiter, Organist und schließlich auch als Schulleiter. Hier lernte Paul Roeder auch die vielen überlieferten Erzählungen über Katharina Kest kennen, dem „Gänsegretel von Fechingen“. Mit Folgen, wie sich zeigen sollte.
Nach heimischem Schulabschluss, der Ausprägung seiner musikalischen Begabung und entsprechendem Unterricht, studierte der Lehrersohn nacheinander in Heidelberg und Berlin Musik. Anschließend ließ sich Roeder in Neustadt an der Weinstraße nieder. Er arbeitete als Musiker, sorgte für Einstudierungen und komponierte die Operette „Tanja“ und schließlich auch das Singspiel „Gänsegret“. Roeder hatte die Kindheitserzählungen von der Saarbrücker Mätresse, ihrer Herkunft und ihrem kometenhaften Aufstieg nicht vergessen. Er verarbeitete sie nun in seinem Stück. Demnach wurde die Aufsteigerin noch als Leibeigene in Fechingen geboren, wo sie zunächst die Gänse hüten musste. Später kam sie als Kindermädchen zu der offiziellen Mätresse des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken, der sie in dieser Eigenschaft kennenlernte, sich verliebte und für ihre Ausbildung sorgte. Die schöne Katharina lief ihrer Arbeitgeberin schnell den Rang ab, übernahm selbst die Rolle der Mätresse und wurde zur Reichsgräfin von Ottweiler erhoben. Nach dem Tod der legitimen Gattin des Fürsten wurde sie sogar ganz offiziell gegen den Widerstand der Kirche dessen zweite Ehefrau. Ein Stoff wie aus einem Märchen, der dank Roeder zur Bühnenhandlung erhoben wurde. Mit Erfolg. Sein Stück erlebte am 13. Juni 1936 im Stadttheater von Saarbrücken die Uraufführung und gefiel. Der Komponist war nun wer in der Region.
Roeder komponierte weitere Werke. Die Palette reichte von der Vertonung Lothringer Volkslieder bis zu einem Festspiel für die Einweihungsfeierlichkeiten des Deutschen Weintores. Doch der Zweite Weltkrieg brachte auch für ihn eine Schaffenspause. Roeder überlebte und versuchte nach 1945 in Berlin einen schöpferischen Neuanfang. Mit weitaus geringerem Erfolg als vor dem Krieg. Er lebte von Einstudierungen, Bearbeitungen anderer Musikstücke sowie Arrangements. Hervorhebenswert sind aus dieser Zeit einzig seine „Märkischen Volkslieder“. Darüber starb der Musiker am 28. Februar 1962 in Berlin-Friedenau. Seine letzte Ruhe fand er auf dem dritten Städtischen Friedhof in der Berliner Stubenrauchstraße. Der Grabstein für ihn und seine später verstorbene Frau blieb erhalten. Im Saarland blieb Roeder als Komponist des Singspiels „Gänsegret“ in Erinnerung. Das Andenken an die Vorbildfigur für das Stück wird bis heute gepflegt. Sie gilt an ihren Lebensorten als touristische Attraktion.
Literatur: Doris Seck. Die Gräfin von Ottweiler. Das bewegte Leben der Katharina Kest. Saarländische Druckerei und Verlag, 1996.



































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