Stattdessen hängt ihm ein parteiübergreifender Anti-Sarkozysmus wie eine Bleikugel am Bein. Und könnte seinem sozialistischen Rivalen François Hollande im zweiten Wahlgang zum Sieg verhelfen. Das Bündnis folgt dem Motto „Tout sauf Sarkozy“ – alles außer Sarkozy. Hollande muss dieses Stimmen-Potenzial eigentlich nur noch einfangen. Dann könnte es reichen für den eher unscheinbaren Kandidaten, der vor allem als Gegenmodell zum Amtsinhaber fungiert.
Viele Franzosen haben eine tiefe Abneigung gegen ihren Präsidenten und seinen selbstherrlichen Führungsstil entwickelt. Und sind enttäuscht von der Bilanz des Mannes, der antrat, um Frankreich zu stärken und zu erneuern. Doch statt Jobs und Kaufkraft brachte seine Amtszeit Arbeitslosigkeit und Abstiegsängste. Die Wahlergebnisse in den industriell verödeten Orten sprechen eine klare Sprache: Dort wurde Sarkozy abgestraft und die Rechtspopulistin Marine Le Pen hochgejubelt. Ihre Kritik ist alles andere als konstruktiv. Aber sie spricht denen aus der Seele, die das Vertrauen in die Politik verloren und einen gewaltigen Hass angestaut haben – auf die „Elite“ und auf Einwanderer.
Die Entscheidung für den rechtsextremen Front National gilt zwar vielen als Protest-Bekundung und nicht als Ausdruck von Ausländerfeindlichkeit, weil die dynamische Parteichefin die Themenpalette erweitert hat. Ihre Anhänger aber grölen noch immer am lautesten, wenn sie gegen Fremde hetzt. Eine Verharmlosung dieser Partei, die mit braun gefärbter Stammtisch-Polemik den Rückzug in wirtschaftlichen und ideologischen Nationalismus propagiert, ist gefährlich. Marine Le Pen sagt offen, sie wolle das System sprengen.
Weil ihr an Sarkozys Wiederwahl nicht gelegen ist, wird sie ihn nicht unterstützen. Dabei gehört der Präsident zu denjenigen, die sie salonfähig machten. Er wollte ihre Wähler ködern mit einer scharfen Ausländer- und Sicherheitspolitik. Für die Ausweisung von Roma akzeptierte Sarkozy 2010 sogar Rügen aus Brüssel. Weil aber die meisten Wähler das Original der Kopie vorziehen, ging die Strategie nicht auf. Der wahlkämpfende Präsident hält trotzdem daran fest, sendet Signale an den rechten Rand und hofft auf eine Wahl „Alles außer Hollande“. Noch hat Sarkozy nicht verloren. Doch wenn das schon seine Höchstform war, könnte es bald soweit sein.































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