Kurzfristig sind es verminderte Ernten, die an der einen oder anderen Ecke für Preisaufschläge sorgen. So wirkt sich die Trockenheit in Russland ebenso auf den steigenden Weizenpreis aus wie ein zu feuchtes Frühjahr in Kanada, das Aussaat und Ernte in Mitleidenschaft zog. Die spürbare Verteuerung von Zucker wiederum ist ein logistisches Problem, weil es in brasilianischen Häfen an Umschlag-Kapazität fehlt, um die Zuckermassen aus dem Land zu schaffen. Und die Preis-Explosion bei Kakao wurde hervorgerufen, nachdem ein Londoner Hedgefonds gewaltige Mengen des braunen Pulvers geordert hatte, um sich mit vorweihnachtlicher Naschlust die Bilanzen zu versüßen.
Diese Entwicklung ist neu. Mit gezielten Spekulationen versucht offenbar eine wachsende Zahl von Banken und Fonds, Kapital zu schlagen aus den Preisbewegungen, die erntebedingt immer wieder vorkommen. Das kann zur Folge haben, dass die Preisausschläge nach oben und unten in Zukunft stärker ausfallen werden. Auf diese neuen Mitspieler sollte man allerdings gelassen reagieren. Denn Spekulationen lösen immer wieder Gegenbewegungen aus. Bei Getreide lassen sich beispielsweise Spitzen von Angebot und Nachfrage abflachen, indem man die Lagermöglichkeiten erweitert. Bei hohen Preisen ist es außerdem verlockend, zusätzliche Ackerflächen unter den Pflug zu nehmen, weil sich auf diesen vorher uninteressanten Böden der Anbau von Getreide plötzlich lohnt. Beides verhindert Preis-Explosionen.
Auf lange Sicht dürften die Preise für Lebensmittel allerdings in die Höhe gehen. Denn der Wohlstand, den die Globalisierung für eine wachsende Zahl von Menschen mit sich bringt, wird den Nahrungsmittel- und hier vor allem den Fleisch-Konsum anheizen. Und Tiere benötigen eine Menge Getreide, bis sie ihr Schlachtgewicht erreichen. Außerdem tritt man in Konkurrenz zur Produktion von Bio-Energie. Auch hier es wird eine Frage des Preises sein, wozu man die Früchte nutzt: zum Essen oder zum Autofahren. Den Schwellenländern, die am meisten unter steigenden Lebensmittel-Preisen leiden, kann man nur helfen, indem die Industrieländer aufhören, ihre Agrarmärkte abzuschotten und die Produktion zu subventionieren. Freier Zugang zu den Märkten und Hilfe zur Selbsthilfe sind die besten Garantien gegen den Hunger.
































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