Man kann auch ganz pragmatisch argumentieren – mit dem Bild des Wirtschaftens und der Gesellschaft, das man mit Union und FDP verbindet. War da nicht was mit Mittelstand, mit Wettbewerb, mit Zukunfts-Technologie, mit sicheren Arbeitsplätzen? So lang ist die Liste der eigenen Ziele, die dieser Atom-Beschluss verletzt. Man muss sich die Dimension vor Augen führen: Die vier marktbeherrschenden Konzerne bekommen durch die Laufzeit-Verlängerung mit einem Federstrich für zwölf zusätzliche Jahre Produktionskapazitäten geschenkt, die größer sind als alle derzeit vorhandenen Windräder, Photovoltaik-Flächen und Wasserkraftwerke zusammen. Kapazitäten, die sie praktisch nichts kosten, weil keine besonders umfangreiche Sicherheitsnachrüstung verlangt wird.
Ein solches zusätzliches Stromvolumen hat Auswirkungen. Zumal dann, wenn die Regierung darauf beharrt, zugleich die ebenfalls großtechnische Kohletechnologie weiter auszubauen. Das drückt auf die Rendite von Investitionen in erneuerbare Energien. Deshalb ist der schwarz-gelbe Kompromiss keine Brücke in die regenerative Energie-Zukunft, sondern ein zwölf Jahre langer Umweg. Durch die Übertragung von Strommengen könnten am Ende auch leicht 20 Jahre daraus werden, dann sind wir jenseits von 2040.
Und: Selbst wenn von den 60 Milliarden Euro Extra-Gewinnen die Hälfte abgeschöpft wird, so bleiben 30 Milliarden auf den Konten der vier Energie-Riesen. Die werden das Geld nicht nur benutzen, um ihre Aktionäre glücklich zu machen. Sie werden damit ihre Marktmacht für die Zukunft zementieren. Mit diesen Milliarden werden sie großtechnisch in erneuerbare Energien investieren, in Offshore-Windparks und Mega-Projekte wie das Wüsten-Konzept Desertec, denn nur mit Großtechnik können große Konzerne umgehen. Adieu hocheffizientes, kommunales Blockheizkraftwerk. Adieu kleiner Windpark.
Für die Energie-Konzerne sind die verlängerten Laufzeiten ein Geschenk wie Weihnachten und Ostern zusammen. Mal sehen, wie sie sich bei den Regierungsparteien dafür bedanken. Dass sie es in Form von Preissenkungen für die Bürger tun, ist höchst unwahrscheinlich.
































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