Anzeige
+23°
Anmelden   |   Sie befinden sich hier: Startseite - Aufmacher - Berliner Büro
Saarbrücken/Berlin

„Schluss mit dem Durchwursteln“

Nach Ansicht des Leiters des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie (IMK), Gustav Horn, brauchen die Märkte von der EU das gemeinschaftliche Signal, kein Euro-Land Pleite gehen zu lassen. Nur so lasse sich wieder Vertrauen schaffen, sagte Horn im Gespräch mit unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter: (Veröffentlicht am 10.01.2012)

Der Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav HornFoto: Soeren Stache (ZB)

Foto 1 / 1
Herr Horn, entscheidet sich 2012 das Schicksal des Euro?
Gustav Horn: Eindeutig ja. Mit einem weiteren Durchwursteln werden Problemländer wie Griechenland das Jahr 2012 nicht im Euro-Raum überstehen können. Nötig sind klare Entscheidungen, ob man die Einheitswährung in ihrer bisherigen Form erhalten will oder nicht.

Trotz aller Rettungsversuche droht Griechenland der Staatsbankrott. Wäre es da nicht besser, wenn Athen die Euro-Zone verlässt?
Gustav Horn: Nein. In dem Moment ist Griechenland erst recht pleite, weil es seine Auslandsschulden mit der Drachme schon gar nicht mehr bedienen könnte. Obendrein käme es zu gefährlichen Spekulationen, welches Land als nächstes in die Knie geht. Das wäre das absehbare Ende des Euro-Raums.

Merkel und Sarkozy machen sich für die Einführung einer Finanzmarktransaktionssteuer stark. Das klingt wie ein Allheilmittel.
Gustav Horn: Das ist sicher kein Allheilmittel, wohl aber ein Element vernünftiger Strategie mit Langzeitwirkung. Denn dadurch würden sich hoch spekulative Finanzgeschäfte weniger lohnen. Außerdem käme Geld in die Kasse, das alle Euro-Finanzminister dringend brauchen. Es wäre schon ein großer Fortschritt, wenn ein oder zwei Staaten bei solch einer Abgabe mit gutem Beispiel voran gingen.

Was soll ein Alleingang bringen? Spekulanten würden nur auf andere Finanzplätze ausweichen.
Gustav Horn: Das stimmt zwar, aber wenn eine solche Börsensteuer in einem Land funktioniert, würde sie sicher auch von anderen übernommen. Auf Dauer könnte es sich kein Land leisten, alle Spekulanten anzuziehen. Der Druck der übrigen Staaten, dem Einhalt zu gebieten, wäre programmiert.

Worin liegt der Vorteil, wenn der permanente Rettungsschirm ESM um ein Jahr auf Mittel 2012 vorgezogen wird?
Gustav Horn: Dadurch hätte man schon früher deutlich mehr Mittel zur Verfügung. Allerdings sehe ich in dieser Aktion nur eine begrenzte Wirkung für die Märkte, denn die Mittel reichen definitiv nicht aus, um womöglich auch ein Land wie Italien zu retten.

Das Ende der Fahnenstange bei den Rettungsmilliarden ist demnach noch nicht erreicht?
Gustav Horn: Genauso ist es. Kurzfristig wird kein Weg daran vorbei führen, dass die Europäische Zentralbank weiterhin Staatsanleihen kauft, falls die zu sehr unter Druck geraten. Notfalls auch deutlich mehr als bisher.

Was erwarten Sie vom nächsten EU-Krisengipfel Ende Januar?
Gustav Horn: Um endlich wieder Vertrauen bei den Märkten herzustellen, wäre ein gemeinsamer Beschluss geboten, kein Euro-Land Pleite gehen zu lassen. Man könnte das dadurch unterstützen, dass sich die EU-Länder verpflichten, für einen Teil der Schulden zumindest vorübergehend die gemeinschaftliche Haftung zu übernehmen.

Artikel drucken
Anzeige

Neueste Kommentare:




Saarbrücker Zeitung Die Saarbrücker Zeitung ist die führende Tageszeitung im Saarland mit elf Lokal- ausgaben. Die SZ ist heute ein modernes Multimediahaus mit Tageszeitung, iPad-Ausgabe und erfolgreichen Web-Auftritten.
Pfälzische Merkur Der Pfälzische Merkur, gegründet 1713, erscheint in der Westpfalz und im Saar- pfalz-Kreis. Er ist eine der ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Herausgeber: Zweibrücker Druckerei und Verlagsgesellschaft mbH.
Trierischer Volksfreund Die Tageszeitung Trierischer Volks- freund erscheint in Trier, Eifel, Hunsrück und an der Mosel. Ergänzt wird das Printangebot durch Apps, das Online-Angebot, Dienstleistungen in Logistik, Kommunikation und Werbung.
Lausitzer Rundschau Die Lausitzer Rundschau ist das führende Medienhaus der Lausitz, dessen Medien der Marktplatz sind für Meinungen und Informationen in der Region. Herausgeber: LR Medienverlag und Druckerei GmbH.
bigFM Saarland bigFM Saarland ist der innovative Sender in der Region für eine junge Hörerschaft. Verrückte Aktionen, regionales Programm und Interaktivität mit den Hörern lassen bigFM im Saarland von Jahr zu Jahr erfolgreicher werden.
euroscript International S.A. euroscript, führender Lösungsanbieter im Bereich Content-Lifecycle-Management, bietet Kunden weltweit umfassende Lösungen zur Konzeption, Entwicklung und Unterstützung von Content-Management-Prozessen.
TeleMedia - Telefonbuchverlag / RTV GmbH TeleMedia, der Telefonbuchverlag der Saarbrücker Zeitung, gibt seit mitt- lerweile 15 Jahren in den Verbreitungs- gebieten Saarland, Westpfalz, Mosel-Eifel-Hunsrück und Brandenburg über 50 Telefonbücher heraus.
Saarriva Als größter regionaler Briefdienstleister beliefert saarriva mehr als 700.000 Haushalte in der Region Saar-Mosel. Die Kooperation mit Partnern ermöglicht den nationalen und internationalen Brief- und Paketversand.
RPV Logistik Neben der Logistik der SZ erstreckt sich die Tätigkeit der RPV Logistik auf die Dienstleistungen eines modernen Druckzentrums, Versand- und Objekt- steuerung für SZ-eigene und fremde Verlagsobjekte.
CircIT GmbH Die circ IT ist ein auf IT-Dienstleistungen für Medien spezialisiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf und bedient die Bereiche Media, Online, ERP, Infrastruktur, Desktop Services sowie Professional Services.
Die Berliner Medien Service GmbH (BMS) ist eine Tochterfirma der Saarbrücker Zeitung und besteht aus dem Berliner Büro und dem News-Pool. Das Berliner Büro versorgt zahlreiche Regionalzeitungen in Deutschland und Luxemburg mit hochwertiger Parlamentsberichterstattung aus Berlin. Der News-Pool bietet den angeschlossenen Zeitungen Texte, Fotos und Info-Grafiken zu den Themen Auto, Reisen, Computer, Hochschule, Jugend, Haus und Garten, Medizin oder Fitness.
Die Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH, kurz SWV genannt, ist mit 15 Wochenspiegel-Titeln im Saarland vertreten.Der SVW gehört mehrheitlich zur SZ-Gruppe. Woche für Woche erhalten alle saarländischen Haushalte fei Haus wichtige Informationen aus ihrem regionalen Wochenspiegel.