Paris. Bis zum Mittag hatten nach Angaben des Innenministeriums rund 28 Prozent der wahlberechtigten Franzosen ihre Stimme abgegeben. Vor fünf Jahren waren es zur gleichen Zeit rund 31 Prozent gewesen. Die Überseegebiete wurden zunächst nicht berücksichtigt.
Insgesamt rund 44,5 Millionen Bürger dürfen darüber entscheiden, wer in den kommenden fünf Jahren das höchste französische Staatsamt bekleidet. Als großer Favorit gilt der sozialistische Spitzenpolitiker François Hollande. Er liegt in allen Umfragen vor dem um eine zweite Amtszeit kämpfenden Präsidenten Nicolas Sarkozy aus dem konservativem Lager.
Die endgültige Entscheidung im Rennen um die Präsidentschaft wird aller Voraussicht nach erst am 6. Mai in einer Stichwahl fallen. Der Wahlsieger benötigt in Frankreich die absolute Mehrheit der Stimmen und für die ersten Runde wurden zehn Kandidaten zugelassen. Die ersten offiziellen Hochrechnungen wurden am Abend um 20.00 Uhr erwartet. Dann schließen die letzten Wahllokale.
Er empfinde Ehrfurcht an diesem wichtigen Tag, sagte der 57-jährige Hollande am Vormittag bei der Angabe seiner Stimme. «Es sind die Franzosen, die entscheiden.» Der Kandidat wurde bei der Fahrt in das Wahllokal von seiner neuen Partnerin Valérie Trierweiler begleitet. Zuvor war Hollande mit Ségolène Royal zusammen gewesen, die 2007 für die Sozialisten bei der Präsidentenwahl angetreten war.
Der gleichaltrige Sarkozy wählte kurze Zeit nach seinem gefährlichsten Herausforderer in Paris, gab allerdings keinen Kommentar ab. Er kam in Begleitung seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy ins Wahllokal, die er Anfang 2008 nach zwei gescheiterten Ehen geheiratet hatte. Die beiden haben seit dem vergangenen Herbst auch ein gemeinsames Kind.
Mit Spannung wird neben dem Duell Sarkozy-Hollande vor allem das Abschneiden der Rechtsextremen Marine Le Pen (43) erwartet. Ihr Vater, der Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen, war 2002 völlig überraschend in die Stichwahl gekommen. Im jüngsten Umfragen lag Marine Le Pen im Schnitt bei 16 Prozent und damit auf Platz drei hinter Sarkozy (26 Prozent) und Hollande (28 Prozent). In der Stichwahl würde Hollande nach jüngsten Prognosen auf 55,7 Prozent kommen, Sarkozy auf 44,3 Prozent.
Meinungsforscher weisen allerdings darauf hin, dass sich viele Franzosen bis zuletzt als unentschlossen bezeichneten. Entscheidend wird auch sein, ob die Anhänger der unterlegenen Kandidaten im zweiten Wahlgang zur Wahl gehen und für wen sie sich dann entscheiden. Von den Bewerbern mit größerem Stimmpotenzial hat bislang nur Linkspartei-Patron Jean-Luc Mélenchon (60) angekündigt, dass er seinen Anhängern bei einem Ausscheiden in der ersten Runde die Wahl von Hollande empfehlen werde. Umfragen sahen ihn zuletzt bei etwa 14 Prozent.
Als erster der zehn Kandidaten hatte am frühen Vormittag der Zentrumspolitiker François Bayrou seine Stimme abgegeben. Der 60 Jahre alte frühere Bildungsminister kam in Umfragen zuletzt auf rund zehn Prozent und gilt als möglicher «Königsmacher». Im Gegensatz zu Mélenchon hat Bayrou bislang nicht erkennen lassen, ob er nach seinem Ausscheiden am Sonntag eine Wahlempfehlung für einen der Stichwahl-Teilnehmer abgeben wird.
































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