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Fußball-WM: Streit um Vuvuzela-Tröte

Von SZ-Mitarbeiter Ronny Blaschke

Manche Fußballfans lieben die Vuvuzela, eine Plastiktrompete aus Südafrika. Kritiker hingegen echauffieren sich über die Lautstärke der Tröte. Der Hersteller versucht, die Aufregung um den Lärm zu dämpfen. (Veröffentlicht am 10.06.2010)

Vuvuzela

In Südafrika ist die Vuvuzela tradizionelles Kulturgut.Foto: dpa

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Kapstadt. Neil van Schalkwyk klingt wie der Manager eines Weltkonzerns, Kritik verpackt er in Diplomatie. „Unser Produkt soll für Stimmung sorgen“, sagt er. „Niemand soll zu Schaden kommen.“ Das Produkt, von dem er spricht, ist die Vuvuzela, eine Plastiktröte so lang ist wie ein Unterarm. Kulturgut in Südafrika, Kritikobjekt in Europa. Seit 2001 lässt van Schalkwyk Vuvuzelas in seinem Unternehmen Masincedane Sport herstellen. Im ersten Jahr verkaufte er 1000 – allein in den vergangenen zwölf Monaten waren es 800.000. Neil van Schalkwyk hat sich auf Mäkeleien aus der Fremde vorbereitet. Er kontert sie mit Fakten und guter Laune.

Tröten können eine Lautstärke von 120 Dezibel erreichen
Ein Beispiel kommt aus Deutschland, wo das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen eine Empfehlung ausgesprochen hat, Vuvuzelas bei WM-Festen zu verbieten. Die Tröten können eine Lautstärke von 120 Dezibel erreichen, würden sogar eine Kettensäge übertreffen, wie die Bild-Zeitung herausfand.

Unter anderem wollen Köln, Dortmund und Leverkusen der Empfehlung folgen. Trompetern droht dort ein Verwarngeld. Diese Debatte erinnert an 2009: Während des Confederations Cup echauffierten sich Spieler, Trainer und Journalisten über das Tröten-Orchester, das wie ein Schwarm aufgebrachter Hornissen klingt. Schlagzeilen von damals: „Furzgeräusche aus der Hölle“, „Tröten-Terror“, „Enten auf Drogen“.

"Europäer sollen sich auf die afrikanische Kultur einlassen"

Die Vuvuzela wurde zum Symbol des Euro-Zentrismus im Fußball. Neil van Schalkwyk, 37, würde nie auf die Idee kommen, sich in 10.000 Kilometern Entfernung über deutsche Fanszenen zu erheben, deren Zünden von Feuerwerkskörpern oder aggressives Niederbrüllen von Gegnern. Er wünscht sich, dass die Europäer sich auf die afrikanische Kultur einlassen und verweist auf das neue, Lautstärke hemmende Aussehen der Vuvuzela: leichteres Gewicht, kleineres Mundstück, weicherer Kunststoff, dazu ein Aufkleber mit einer durchgestrichenen Ohrmuschel als Hinweis für den Sicherheitsabstand.

„Wir gehen auf jeden Hinweis ernsthaft ein“, sagt van Schalkwyk. „Aber es wird dabei bleiben: Entweder man liebt unsere Vuvuzela oder man kann sie nicht ausstehen. In jedem Fall ist sie Tradition geworden, darauf sind wir stolz.“ Als Fan hatte er die Tröten erstmals Ende der Siebziger bei seinem Verein Santos FC wahrgenommen, damals waren es Hörner von Kudu-Antilopen, mit denen einige Stämme schon vor Jahrhunderten ihre Treffen eingeleitet hatten. Vor allem während der Derbys in Soweto zwischen den Orlando Pirates und den Kaizer Chiefs bestimmten die Tröten den Ton. Auch Nelson Mandela wollte nicht auf die Vuvuzela verzichten, als er für die WM-Bewerbung Südafrikas warb. „Die Vuvuzela symbolisiert Einigkeit, alle verstehen sie“, erzählt van Schalkwyk. Ein Plastikrohr liefert den sportlichen Sound einer Nation mit elf Amtssprachen. Der Zulu-Begriff Vuvuzela bedeutet so viel wie: „in Musik duschen“.

Absatz: Drei Millionen Vuvuzelas
Neil van Schalkwyk hat diese Dusche in ein Masseninstrument verwandelt, fast drei Millionen hat er abgesetzt. Seine 70 Mitarbeiter formen pausenlos mit Maschinen aus einem 220 Grad heißen Brei die schmalen Trichter, der Vorgang dauert nur Sekunden. Exportiert werden die Vuvuzelas in alle Teile der Welt, zunehmend auch in Europa. Van Schalkwyk hat ein Netzwerk geknüpft, sein Unternehmen unterstützt soziale Initiativen. Und er muss sich gegen Plagiatsversuche aus Fernost wehren: „Wir können mit ihren günstigen Preisen nicht mithalten, doch am Ende fallen die Qualitätsmängel der Kopien auf uns zurück.“ Er wird diese Sätze in den kommenden vier Wochen öfter wiederholen müssen, als ihm lieb ist.

Hintergrund

Das saarländische Gesundheitsministerium empfiehlt Public-Viewing-Veranstaltern, den Einsatz von Vuvuzelas zu untersagen. „Diese afrikanischen Tröten entwickeln so hohe Dezibel-Zahlen, dass sie einen Hörsturz verursachen oder sogar das Gehör nachhaltig schädigen können“, sagt Staatssekretär Sebastian Pini.

Die Veranstalter in Saarlouis, Neunkirchen und Saarbrücken wollen Vuvuzelas aber nicht bereits vorab verbieten. „Wir werden die Erfahrungen des ersten Wochenendes abwarten. Sollten dann Probleme auftreten, können wir reagieren“, erklärt Jörg Wilhelmy, stellvertretender Leiter des Hauptamtes in Saarlouis. Darauf habe man sich auch mit der Stadt Neunkirchen verständigt. Der private Veranstalter „PV 2010 Saarbrücken“ will es ebenso halten. mast



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