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Völklingen

Karlheinz Blessing ist Chef von Saarstahl AG und Dillinger Hütte

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Karlheinz Blessing ist seit gestern Vorstandschef von Saarstahl. Seit einem Jahr lenkt er die Geschicke der Dillinger Hütte und ist außerdem in der Geschäftsführung der Obergesellschaft SHS Stahl-Holding Saar. (Veröffentlicht am 11.02.2012)

Stahl Dillinger Hütte

Mit ihren Produkten aus Grobblech ist die Dillinger Hütte weltweit gefragt. Foto: Dillinger Hütte

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Völklingen. Lang war der Weg des Dr. rer. soc. Karlheinz Blessing (54) – vom Stumpenhof im Ottenbacher Tal nahe Eislingen/ Fils bis an die Spitze der saarländischen Stahlindustrie. Gestern krönte man seine Karriere. Der Saarstahl-Aufsichtsrat kürte Blessing zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Schon seit einem Jahr ist er Chef der Dillinger Hütte. Zuletzt hatte Roland de Bonneville (1930 - 2007) diese Doppelfunktion bei beiden Stahlkonzernen an der Saar inne. 20 Jahre ist das her. De Bonnevilles Dillinger Büro ist seitdem fast unverändert. Nur der Schreibtisch musste angepasst werden, da der Franzose kein großgewachsener Mann war. 1993 war Blessing zum ersten Mal auf dieser lichtdurchfluteten Kapitänsbrücke, die von zwei wandgroßen Fenstern umschlossen wird, und Blessing „daher eine Ecke fehlt, in der man Bilder aufhängen könnte“. Im Herbst 1993 war die Entscheidung gefallen, dass der Schwabe neuer Arbeitsdirektor der Dillinger Hütte werden sollte. Er folgte auf Peter Hartz, der seinerzeit in dieser Funktion in den Vorstand des Volkswagen- Konzerns aufrückte.

Mit Stahl hatte Blessing vorher kaum etwas am Hut. Die Kindheit auf dem Nebenerwerbs- Bauernhof seiner Eltern „war bodenständig geprägt“ und früh mit Arbeit ausgefüllt. „Wenn die Kumpels ins Schwimmbad fuhren, musste ich bei der Heuernte helfen.“ Nach Realschule und Abitur am Erich-Kästner-Gymnasium in Eislingen (1976) wollte Blessing zunächst Physik studieren. Doch es zog ihn „nach Klein- Harvard am Bodensee“, nämlich an die Universität Konstanz. Dort war eher die Ökonomie angesagt. So schrieb er sich in der entsprechenden Fakultät ein und konnte sich mit 23 Jahren schon Diplom-Volkswirt nennen. Er hängte er ein verwaltungswissenschaftliches Aufbaustudium an und promovierte über „Die Zukunft des Sozialstaats“. Mit 26 Jahren hatte er seinen Doktortitel in der Tasche, heuerte 1984 bei der Vorstandsverwaltung der IG Metall in Frankfurt an und war dort ab Oktober 1986 Leiter der Abteilung Organisation. „Damit war ich sozusagen der persönliche Assistent des damaligen IG Metall-Chefs Franz Steinkühler“, erinnert sich Blessing. Dieser charismatischjungenhafte Gewerkschaftsführer, der 1993 wegen des Verdachts eines Aktien-Insidergeschäfts zurücktrat, lud bei Blessing alle Probleme ab, die die Gewerkschaften damals mit ihrem eigenen Firmenimperium hatten. Große Konzerne wie die Wohnungs-Gesellschaft Neue Heimat oder die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) waren in schweres Fahrwasser geraten, mussten saniert und verkauft werden. „Diese Konzerne sind an zu wenig Kontrolle gescheitert“, weiß Blessing heute.

Die Verquickung von gesellschaftspolitischen Ambitionen und unternehmerischem Handeln passe nicht zusammen. „Man muss Unternehmen nach dem Markt ausrichten oder man sollte es bleiben lassen.“ 1991 wechselte das SPD-Mitglied Blessing in eine andere Machtzentrale, indem er Geschäftsführer der Sozialdemokraten wurde. „Heute würde man Generalsekretär dazu sagen.“ In dieser Funktion diente er bis 1993 drei SPD-Vorsitzenden: Björn Engholm, Johannes Rau und Rudolf Scharping. Die Parteikarriere ist für Blessing Geschichte. „Heute bin ich nur noch einfaches Mitglied“, Zuvor war er noch zehn Jahre Schatzmeister der Saar-SPD. Als Stahlmanager gehört er spätestens seit gestern zur Branchen-Elite. Unumstritten ist es nicht, dass ein ehemals ranghoher Gewerkschafts- und Parteifunktionär jetzt an der Spitze von zwei Stahlkonzernen steht. Den Vorwurf, dass er das Lager gewechselt habe, musste er sich schon oft anhören. „Ich habe mich stets an Ergebnissen orientiert“, wehrt Blessing ab. „Wer ein Unternehmen führt, muss immer die betriebswirtschaftlich bessere und die sozial gerechtere Lösung in Einklang bringen.“ Und: „Ich habe nie etwas von Arbeitsdirektoren gehalten, die mit dem Betriebsrat wetteifern, wer der größere Sozialonkel ist.“ Wegbegleiter schätzen seinen analytisch scharfen Verstand und die Fähigkeit, die Dinge, die er anpackt, strategisch zu Ende zu denken. „Er ist jetzt da angekommen, wo er immer hinwollte“, sagt einer, der Blessing lange kennt. Das gilt auch privat. Seit zwei Jahren ist er mit seiner langjährigen Lebensgefährtin verheiratet.

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