Von SZ-Redakteur
Patrick Griesser
Saarbrücken. Morgen ist Tag 45 im Musiksaal der Uni und es ist Silvester. Den Jahreswechsel wollen sie schon ordentlich feiern – jene Studenten, die an Neujahr dann 46 Tage in Gebäude C.5.1. als Besetzer ausharren. Anschließend wird jedoch wieder gefeilt an Vorschlägen für ein gerechtes Bildungssystem. Geduldet von der Universitätsleitung leben und arbeiten in der vorlesungsfreien Zeit mal zehn, mal 15 Studierende im zweigeschossigen Betonbau mit großer Glasfront.
Unten wird geredet, diskutiert und oben geschlafen. Matratzen sind dort im Vorlesungssaal verstreut und auch auf seiner großen Bühne, eine E-Gitarre liegt griffbereit nahe des Rednerpultes und an der Stirnseite des Raumes prangt in großen Einzelbuchstaben B-E-S-E-T-Z-T. Die Studierenden haben sich eingerichtet: Im Erdgeschoss mit einer überschaubaren Bibliothek. Orwells Roman „1984“ steht dort ebenso wie die DVD vom „Angriff der Killertomaten“. Der Obstteller auf einer kleinen Theke ist ebenfalls gut gefüllt und steht nur unweit einer Kunstinstallation mit Basilikumsträuchern in ordentlich angehäufter, feuchter Erde unterm Treppenabgang.
Eines der unzähligen Plakate verkündet: Für Kaffee zahlt jeder, was er will. Und: „Hierher kann jeder kommen“, sagt Andreas Quednau, der Betriebswirtschaftslehre studiert und seine zehn Mitstreiter erklären, dass alle Besetzer das Ziel eine das Bildungssystem zu verbessern und gleichzeitig sei Platz für andere Meinungen und Ansichten. Nein, es sei kein Protest im Verborgenen. „Rund 100 Namen umfasst unser Verteiler“, sagt Philosophie- und Englischstudentin Isabell Popescu und die Studenten erzählen von Besuchen von Politikern wie von Kontakten zu Gewerkschaften, Studentengruppen und der Unterstützung durch die gewählten Studentenvertreter des Asta.
Und der Unipräsident? „Der hat sich noch nicht blicken lassen“, sagt Hagen Hoffmann. Am 49. Tag der Besetzung, am 4. Januar, ist ein Treffen mit dem Asta, dem Qualitätsbüro und der Uni-Leitung geplant. Bis dahin sollen auch Ergebnisse und konkrete Vorschläge stehen. Eine Anregung, die unter den Studenten derzeit diskutiert wird, ist ein wöchentliches Vorlesungsverbot von zwei Stunden. Dann wäre Zeit für mehr studentische Mitarbeit in Fachschaften und anderen Gremien. Zeit- und Leistungsdruck im verschulten Bachelorstudium halte auch viele davon ab, sich ihrem Protest anzuschließen, ist die Gruppe überzeugt. „Das Interesse ist da, aber das Korsett zu eng geschnürt“, sagt Jean-Philippe Baum.
Wie lange die Besetzung noch währt, ist offen. „Ich dachte schon, es ist vermessen, einen Weihnachtsbaum aufzustellen.“ Hagen Hoffmann sagt es und fügt gleich an: „Jetzt können wir auch an die Osterdekoration denken.“
Tag 38 war übrigens auch im Musiksaal Heiligabend: „Gerade Weihnachten dreht sich um Solidarität“, macht Isabell Popescu Programm. „Wir hatten ein gemütliches Weihnachtsfest“, sagt derweil Hagen Hoffmann. Es gab Feldsalat mit Walnussdressing in C.5.1.



































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