Saarbrücken

Verteidiger will Revision für saarländischen Kinderschänder

03. Dezember 18:16
Gericht

Zum dritten Mal will ein Verteidiger das Urteil gegen einen vor dem Saarbrücker Landgericht verurteilten Kinderschänder neu vom Bundesgerichtshof prüfen lassen. Foto: dpa (Symbolfoto)
Nach zwei Revisionen vor dem Bundesgerichtshof hat das Landgericht gestern einen Kinderschänder zu acht Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Verteidiger will das Strafmaß erneut in Karlsruhe prüfen lassen. (Veröffentlicht am 03. Dezember 18:16)
Zehneinhalb, neuneinhalb und achteinviertel Jahre – das sind die Haftstrafen, zu denen das Landgericht einen 48 Jahre alten Mann wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in fünf Fällen verurteilte. In einem der Fälle war auch Vergewaltigung im Spiel. Zweimal landete der Fall vor dem Bundesgerichtshof. Am Schuldspruch wurde zwar nicht gezweifelt, doch die Karlsruher Richter hielten die Haftstrafen für unangemessen hoch und verlangten neue Verhandlungen.

Gestern hat das Landgericht zum dritten Mal geurteilt: acht Jahre und drei Monate Gefängnis. Doch der Fall scheint damit nicht zu Ende. Der Verteidiger will das Strafmaß erneut in Karlsruhe prüfen lassen. Er hatte gestern auf vier Jahre plädiert, die Staatsanwaltschaft forderte neun.

Der Saarbrücker Maler und Lackierer hat bereits eine einschlägige Vorstrafe von sechs Monaten aus dem Jahre 2007. Damals stand er vor dem Jugendschöffengericht. Inzwischen befindet er sich wegen der erneuten Vorwürfe seit Juli 2011 in Untersuchungshaft. Der Angeklagte war ein langjähriger Freund der Mutter des missbrauchten Mädchens. Als Wohnungsloser fand er bei ihr Unterschlupf, als Gegenleistung renovierte er die Wohnung der Hartz-IV-Empfängerin. Als er eine Wohnung in der Nähe fand, besuchte ihn das zehnjährige Mädchen. Sie brachte seine leeren Pfandflaschen weg und durfte das Geld behalten. Dabei soll es mehrfach zu schweren sexuellen Übergriffen gekommen sein. Es wurden Nacktfotos des Kindes auf seiner Kamera gefunden. Aber er gebot dem Kind zu schweigen, andernfalls würde er sie schlagen, ihre Mutter umbringen und sie komme in ein Heim. Das Mädchen schwieg lange, bis sie in der Schule zusammenbrach.

Obwohl sich die Übergriffe auf das heute 13-jährige Mädchen in den Jahren 2010 und 2011 ereigneten, leidet sie bis heute unter den Folgen. Das würdigten die Richter der Dritten Jugendkammer bei der Strafhöhe. Der gesetzliche Strafrahmen reiche bis 15 Jahre. Andererseits sei die erhöhte Haftempfindlichkeit für den Täter zu berücksichtigen, er ist Erstverbüßer und gesundheitlich angeschlagen, hieß es in der Urteilsbegründung. Dazu komme eine Strafminderung wegen langer Verfahrensdauer. Acht Monate lag der Fall bei der Kammer bis es zum Prozess kam. Zwei Monate wären angemessen gewesen, räumte der Vorsitzende selbstkritisch ein. Selbst wenn die Justiz chronisch unterbesetzt sei, dürfe das nicht zu Lasten eines Angeklagten gehen. jht



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