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Saarbrücken/Dillingen

Saar-Polizei warnt vor reisenden Einbrecherbanden

19.05.2013 12:32
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Einbrecherbanden aus Osteuropa sind laut Polizei weiter im Saarland unterwegs (Symbolfotos). Foto: dpa
Einbrecherbanden aus Osteuropa sind weiter im Saarland unterwegs. Hunderte Einbrüche allein in den ersten vier Monaten des Jahres gehen auf ihr Konto. Verwertbare Spuren hinterlassen sie aber nur selten.
Die Serie der Wohnungseinbrüche im Saarland reißt nicht ab. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 2031 Fälle. Dies bedeutet eine Steigerung um 22 Prozent. Von Januar bis Ende April dieses Jahres wurden rund 700 weitere Einbrüche gemeldet. Im Durchschnitt wurden demnach pro Tag sechs Einbrüche verübt. Für den laufenden Monat wird ein leichter Rückgang der Delikte erwartet. Mit 200 Delikten auf 100?000 Einwohner liegt das Saarland im bundesweiten Vergleich auf Platz sechs, also im oberen Drittel. Am meisten Einbrüche gibt es demnach in Bremen, Hamburg und Berlin.

Innenministerin Monika Bachmann (CDU) und Hugo Müller, Vizepräsident des Landespolizeipräsidiums, wiesen am Freitag vor Journalisten auf erste Erfolge einer eingesetzten Sonderermittlungsgruppe hin. Rund 100 Einbrüche konnten aufgeklärt werden. Die bisher schlechte Aufklärungsquote für 2012 von nur 10,8 Prozent kann also nachgebessert werden. 14 Haftbefehle wurden vollstreckt. Zehn Rumänen und vier Serben sitzen in Untersuchungshaft. Aktuell sind, so Kriminaloberrat Stefan Noll und Erster Hauptkommissar Helmut Degen vom Landespolizeipräsidium, weitere 52 Beschuldigte im Visier der Fahnder. Nach gesicherten Erkenntnissen handelt es sich bei den Tätern um osteuropäische Banden mit straffen Strukturen. Müller spricht von reisenden „Brigaden“, die feste Stützpunkte haben: Eine Gruppe – dies können Kinder oder Bettler sein – späht Ziele für Einbrüche aus. Die Einbrecher reisen dann, so die Ermittler, eigens für die Taten ein. Sie hinterlassen selten verwertbare Spuren. Ihre Beute, meist Bargeld oder Schmuck, wird von einer dritten Gruppe verwertet. Angeblich sind die Banden bereits mit mobilen Öfen unterwegs, um erbeuteten Goldschmuck einzuschmelzen.

„Das ist organisierte Kriminalität“, stellt Bachmann fest. Die Polizei rüstet auch grenzüberschreitend auf, tauscht Informationen mit den anderen Bundesländern und mit den Ermittlern in Lothringen und Luxemburg aus. In der Innenministerkonferenz steht das Thema ständig auf der Tagesordnung. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen wissen die Fahnder, dass die Einbrecherszene von Banden aus Rumänien, Bulgarien, Serbien und auch aus Polen beherrscht wird. Lokale Täter sind eher die Ausnahme.

Auf eine saarländische Besonderheit machte Polizei-Vizechef Hugo Müller aufmerksam: Bei über 40 Prozent der registrierten Delikte blieb es beim Versuch. Für die Polizei ein Anhaltspunkt, dass die Sozialkontrolle – also etwa das wache Auge von Nachbarn – und auch die Prävention Früchte tragen. Zudem investierten Hausherrn in die Sicherheit ihrer Immobilien. Müller bemerkt weiter, dass die straff organisierten Banden nicht nach einem oder zwei gescheiterten Versuchen aufgeben. Die Täter hätten ihre Vorgaben, die sie erfüllen müssten.

Bachmann und Müller kündigten an, die elfköpfige Sonderermittlungsgruppe, die in Dillingen stationiert ist, bleibe bis auf Weiteres bestehen. Die Beamten unter Leitung von Hauptkommissar Carsten Molitor haben komplette „Stammbäume“ der Tätergruppen erarbeitet. An die Bevölkerung geht der Appell, etwa wenn Autos mit osteuropäischen Kennzeichen in Wohngegenden streifen oder Bettler sich Häuser anschauen, umgehend die Polizei zu rufen. Bachmann: „Besser einmal zu viel, als einmal zu wenig anrufen!“

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