Sie sind hier: HomeAufmacher
München/Tübingen

Prominente Senioren prangern Umgang mit betagten Kranken an

München/Tübingen


06.02.2012 11:15
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Pflege

Scharfe Abrechnung mit der Altenpflege in Deutschland: Alt-Bundespräsident Walter Scheel und Inge Jens, Ehefrau des renommierten Rhetorikers Walter Jens, empören sich über einen würdelosen Umgang mit Hochbetagten und Dementen. (Symbolbild) Foto: dpa
Scharfe Abrechnung mit der Altenpflege in Deutschland: Alt-Bundespräsident Walter Scheel und Inge Jens, Ehefrau des renommierten Rhetorikers Walter Jens, empören sich über einen würdelosen Umgang mit Hochbetagten und Dementen.
München/Tübingen. Zwei prominente Senioren prangern die Zustände in deutschen Heimen an. Ex-Bundespräsident Walter Scheel und die Ehefrau des dementen Rhetorikers Walter Jens, Inge Jens, sprechen von „menschlicher Verrohung“ und „grotesken“ Regelungen in der Altenpflege.

„Es ist doch ein Skandal, dass Deutschland, dieses wohlhabende Land, kein Geld hat, seine alternde Bevölkerung auch außerhalb von Familien würdevoll bis zum Tode zu versorgen“, schrieb der 92-jährige Scheel in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“. In Alters- und Pflegeheimen herrschten „katastrophale Zustände“. Scheel kritisierte die „persönliche Geringbetreuung aus Personalmangel“ ebenso wie das Abrechnungssystem nach Modulen, wonach „jede kleinste Dienstleistung der Pfleger am Monatsende berechnet“ werde. Dies sei Anlass zur Scham. „Unhaltbar, solche Verhältnisse!“, wetterte der Altpräsident. Die Gesellschaft kranke „auch in diesem Bereich immer mehr an einer menschlichen Verrohung“.

Die fast 85-jährige Inge Jens nannte die Vorgaben bei der Pflege von Demenzkranken „grotesk“. Sie selbst müsse sich beispielsweise „jedes Vierteljahr bescheinigen lassen, dass mein Mann auch wirklich immer noch dement ist. Es könnte ja sein, dass er schon nicht mehr dement ist und wir immer noch 600 Euro im Monat für seine Betreuung bekommen. Ich finde das empörend.“ Der 88-jährige Walter Jens gilt als einer der wichtigsten deutschen Intellektuellen der Nachkriegszeit. Durch seine Demenz-Erkrankung kann er seit Jahren nicht mehr sprechen und ist rund um die Uhr auf Pflege angewiesen.

Scheel sagte, in Alters- und Pflegeheimen müsse „Personalmangel ein Fremdwort“ sein. Deshalb sollten Pflegeberufe vor allem für junge Menschen attraktiver werden. So könne man beispielsweise jedem Jugendlichen, der ein Jahr in einem Pflegeheim helfe, eine Lehrstelle garantieren. dpa
Das könnte Sie auch interessieren
Einig
Genf

Fußball-EM 2020 auch in München - Finale in London

Bei der ersten Pan-europäischen Fußball-EM finden 2020 drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale in München statt. Die beiden Halbfinals und das Endspiel vergab die UEFA in Genf wie erwartet an London.Mehr
Lufthansa
Frankfurt/München

Lufthansa-Piloten streiken in München: Rund 110 Flüge gestrichen

Die Lufthansa-Piloten wollen an diesem Mittwoch den Flugverkehr der Airline am Drehkreuz München in weiten Teilen lahmlegen.Mehr
München

Von den Mühlen der Justiz zermahlen

Opfer der deutschen Justiz organisieren sich. In München wurde jetzt ein Verein gegründet, der für Gesetzesänderungen kämpfen und Fälle publik machen will. Auch ein Saarländer saß lange Zeit unschuldig im Gefängnis.Mehr

Kommentare

ACHTEN SIE BEIM KOMMENTIEREN AUF DIE NETIQUETTE UND UNSERE KOMMENTAR-RICHTLINIEN.
Bei Fragen zu unserer Kommentarfunktion beachten Sie unsere FAQ.

Disqus ist ein Serviceangebot eines Drittanbieters, Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen


Disqus ist leider inkompatibel mit einigen älteren Browser-Versionen. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um unsere Kommentarfunktion nutzen zu können.

Anzeige


ANZEIGE
Beilagen




Anzeige