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Jeder vierte Deutsche will seine Ernährung mit Pillen und Pülverchen aufpeppen

Von SZ-Mitarbeiterin Julia Bidder

Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland ein Millionengeschäft. Doch in vielen Fällen sind diese Mittel unnötig. Im schlimmsten Fall können sie sogar Krankheiten auslösen, darunter auch Krebs. (Veröffentlicht am 20.11.2011)

Tabletten

Mit Nahrungsergänzungsmitteln versuchen viele Menschen, Ernährungssunden auszugleichen. Doch diese Mittel können schädlich sein, wenn sie länger genommen werden. Foto: dpa

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In Deutschland wächst das Gesundheitsbewusstsein. Und das bedeutet zunächst einmal das Bewusstsein fürs Ungesundsein. 85 Prozent der Deutschen sind überzeugt, sie müssten ihre Ernährung verbessern. Die Industrie fördert diese Überzeugung mit Lebensmitteln, die mit dem Anspruch vermarktet werden, der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit förderlich zu sein. Mehr als ein Viertel der Deutschen schluckten meist unnötige Nahrungsergänzungsmittel oder Nährstoffe, um die Vitamin- und Mineralstoffzufuhr zu verbessern, zeigt die Nationale Verzehrstudie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Schnellerer Muskelaufbau, raschere Regeneration und mehr Leistungsfähigkeit – mit solchen Versprechen werben zum Beispiel die Hersteller von Eiweißshakes und Sportriegeln. An den Theken von Fitness-Studios muss man etwa drei bis vier Euro für etwa 300 Milliliter Shake berappen. Wer selbst zu Hause einen solchen Drink anrührt, bekommt fürs gleiche Geld etwa 100 Gramm Fertigpulver. Über den Geschmack solcher Produkte lässt sich streiten – über ihren Nutzen nach Ansicht von Experten nicht. Für Breitensportler seien sie überflüssig. „Je nach Art, Umfang und Intensität beträgt der zusätzliche Energieverbrauch bei Breitensportlern durchschnittlich 2000 Kilokalorien pro Woche, das entspricht drei bis vier Stunden Tennis, Joggen oder Tanzen“, hat Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) errechnet.  „Es ist kein Problem, diese zusätzlich benötigte Energie über eine vollwertige Mischkost aufzunehmen.“ Selbst wer pro Woche bis zu 30 Kilometer joggt, hat keinen erhöhten Eiweißbedarf. „Die Evolution hat uns für Bewegung geschaffen“, betont der Biologe Professor Dr. Horst Pagel vom Institut für Physiologie der Uni Lübeck. „Urzeitmenschen legten jeden Tag etwa 20 Kilometer zurück, um an ausreichend Nahrung zu gelangen. Jetzt will uns die Industrie weismachen, dass man bei deutlich weniger Bewegung trotzdem mehr Eiweiß benötigt.“


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