Dann um 18.12 Uhr wurde es mucksmäuschenstill – das erste Teilergebnis aus Haupersweiler: 73,7 Prozent für Scheer. Doch der satte Vorsprung bröckelte. 18.17 Uhr: 71,9 Prozent, drei Minuten später 69,2 Prozent. Dann ging ein Raunen durch den Raum: Stimmen weiterer Wahllokale waren um 18.24 Uhr ausgezählt, Scheer kam da auf einen knappen Vorsprung von 50,4 Prozent. Um halb sieben hatte ihn Becker eingeholt: 53,6 Prozent.
Es sollte nur beim kurzen Aufatmen für den Unionskandidaten bleiben. 18.34 Uhr: Ein SPD-Anhänger rief „Ja!“ Alle blickten auf die Anzeige, 54,8 Prozent für Scheer, nachdem das erste von zwei Wahllokalen aus seinem Heimatort Oberkirchen das Ergebnis übermittelt hatte. 18.42 Uhr endgültige Erleichterung bei den jubelnden Sozialdemokraten, nachdem alle Stimmbezirke ausgezählt waren: 59,1 Prozent für Scheer, 40,9 Prozent für Herausforderer Becker und betretene Gesichter bei seinen Unterstützern von der CDU.
Einer der ersten, die Scheer gratulierten, war SPD-Kreischef Magnus Jung. „Jetzt stellen wir die Hälfte aller Bürgermeister im Landkreis St. Wendel“, jubelte er. Selbstbewusst ließ sich der künftige Bürgermeister von den Gratulanten treiben. „57 zu 43 habe ich das Ergebnis prophezeit“, zeigte er sich stolz.
Für Becker schien der satte Vorsprung seines Kontrahenten überraschend: „Bei meinen Hausbesuchen hatten mir die Bürger sehr viel Sympathie entgegengebracht. Mit solch einem Abstand habe ich auf keinen Fall gerechnet“, tat er seine Enttäuschung kund. Ähnlich wie Hans Ley, Vorsitzender der Christdemokraten im St. Wendeler Land: „Das ist ein schmerzliches Ergebnis für die CDU.“
Beachtlichen Zuspruch erntete Scheer in Oberkirchen, wo er Ortsvorsteher ist: 85,9 Prozent aller Wähler stimmten dort für ihn, sein bestes Einzelergebnis. Becker kam in seinem Heimatort auf 67,6 Prozent. Letztlich gaben bei 4784 Wählern 870 Stimmen den Ausschlag für den Wahlsieg,
Damit ergibt sich in Freisen eine neue Situation: ein roter Bürgermeister mit einer absoluten schwarzen Mehrheit im Gemeinderat. Doch beide Seiten kündigten bereits an, aufeinander zugehen zu wollen.
































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