Facebook hat am späten Mittwoch seinen rund 200 Seiten starken Börsenprospekt veröffentlicht. Das ist für jedes Unternehmen der erste Schritt auf dem Weg an die Börse. Einen Termin für den eigentlichen Gang aufs Parkett gibt es indes noch nicht; Experten rechnen damit für Mai oder Juni. Auch der Preis für die Aktien wird erst dann festgelegt.
Die Unterlagen sind dennoch spannend. Sie geben erstmals einen detaillierten Einblick in das Innenleben des Senkrechtstarters. Es zeigt sich: Facebook wächst weiterhin rasant und ist hochprofitabel; die Nutzer sind umtriebiger als erwartet; und Gründer Mark Zuckerberg ist mächtiger, als man denkt. Er hält 28 Prozent der Anteile und sogar 57 Prozent der Stimmrechte, weil andere Anteilseigner ihm ihre Stimmen übertragen haben.
Dem 27-Jährigen geht es nach eigener Auskunft aber nicht darum, möglichst reich zu werden. Zuckerberg schrieb in einem Brief, der den Antrag begleitet: „Facebook wurde ursprünglich nicht gegründet, um ein Unternehmen zu sein. Es wurde aufgebaut, um eine soziale Mission zu erfüllen – die Welt offener und vernetzter zu machen.“ Der Gründer brachte es auf eine einfache Formel: „Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.“ Facebook will bei seinem Börsengang nach aktuellem Stand fünf Milliarden Dollar einnehmen – bei entsprechender Nachfrage könnte sich der Wert noch erhöhen. Dabei verkaufen Zuckerberg und die anderen Besitzer aber nur einen geringen Teil ihrer Aktien. Insgesamt wird Facebook auf einen Wert von bis zu 100 Milliarden Dollar taxiert. Damit spielt das Soziale Netzwerk in einer Liga mit deutschen Großkonzernen wie Siemens oder VW.
Mit seinen Zahlen würde Facebook den Börsengang von Google im Jahr 2004 in den Schatten stellen. Damals hatte der Suchmaschinenprimus 1,7 Milliarden Dollar eingenommen. Zusammen mit den Anteilen, die bei den Alteigentümern verblieben, wurde Google mit 23 Milliarden Dollar bewertet. Bis heute sind daraus 189 Milliarden Dollar geworden. Wertvollstes Unternehmen der Welt ist momentan Apple mit 425 Milliarden Dollar.
Die hohe Bewertung von Facebook erstaunt, wenn man sich die Geschäftszahlen anschaut: Der Umsatz lag im vergangenen Jahr gerade mal bei 3,7 Milliarden Dollar, als Gewinn blieben unterm Strich eine Milliarde Dollar übrig. So viel Geld hatte Apple während des Weihnachtsquartals in einer Woche verdient. Doch Facebook wächst rasant. Allein von 2010 auf 2011 legte der Umsatz um 88 Prozent zu, der Gewinn um 65 Prozent. 85 Prozent der Einnahmen stammen aus Werbung, jedoch werden auch Spiele immer wichtiger.
Facebook war allerdings zuletzt immer wieder wegen Bedenken um den Datenschutz in die Schusslinie geraten. Auch die Börsianer schauen mit Argusaugen auf die Datenschutz-Problematik. Schließlich sind die Nutzer hellhörig, wenn es um ihre persönlichen Informationen geht.




































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