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Berlin

Elektronischer Beobachter bei Unfällen: Bundestag spricht sich für „Blackbox" im Auto aus

Von SZ-Korrespondent Hagen Strauß

Wie kam es zu einem Autounfall? Wer hat Schuld? Die Antwort auf solche Fragen könnte bald ein Datenschreiber wie die „Blackbox“ in Flugzeugen geben. Der Bundestag unterstützt die Einführung ebenso wie die EU. (Veröffentlicht am 28.08.2012)

Unfall

Durch eine »Blackbox« wie im Flugzeug lässt sich feststellen, was in den Sekunden vor, während und nach dem Crash passiert ist. Foto: dpa (Symbolfoto)

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Berlin. Berlin. Wenn es erst einmal richtig gekracht hat, ist der Unfallverlauf oft nur schwer zu rekonstruieren. Dann steht Aussage gegen Aussage. Und selbst erfahrene Polizisten oder Gutachter haben bisweilen so ihre Probleme. Auf die deutschen Autofahrer könnte deshalb bald eine technische Revolution zukommen – die „Blackbox“ fürs Auto. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich der Bundestag kürzlich positiv zu einer serienmäßigen Einführung des digitalen Unfalldatenspeichers in Pkw geäußert. Jetzt ist die Europäische Union am Zuge. Und auch in Brüssel ist man offenbar dafür.

Durch eine „Blackbox“ wie im Flugzeug lässt sich feststellen, was in den Sekunden vor, während und nach dem Crash passiert ist. Wer war zu schnell, wer hat die Vorfahrt missachtet, oder wer hat nicht geblinkt? Die Auswertung des Unfalldatenschreibers erleichtert die Untersuchung von Unfällen und die Feststellung der Schuld. Eine von der Europäischen Kommission vor zwei Jahren in Auftrag gegebene Studie hat außerdem gezeigt, dass bei einer Blackbox-Pflicht die Unfallzahlen um zehn Prozent gesenkt werden könnten. Experten rechnen dann mit einer weniger riskanten Fahrweise.

In Deutschland machen deshalb jetzt die Befürworter der mehrere Hundert Euro teuren „Blackbox“ fürs Auto mobil. „Seitens des Petitionsausschusses werden die Chancen, die damit für die Verkehrssicherheit verbunden sind, durchaus positiv eingeschätzt“, heißt es in einer Beschlussempfehlung des Gremiums an den Bundestag, die unserer Zeitung vorliegt. Der Ausschuss hatte einer entsprechenden Bürgereingabe, die 416 Unterstützer fand, zugestimmt. Darin wurde wie in den USA eine „Blackbox“ für alle neu zugelassenen Pkw vorgeschlagen. Ende Mai segnete auch der Bundestag die Idee einstimmig ab. Es sei nicht selbstverständlich, „dass alle Fraktionen das so sehen“, so der Verkehrssicherheitsexperte der Union, Gero Storjohann. „Für mich ist die Blackbox im Auto ein weiterer Baustein, um zu mehr Verkehrssicherheit zu kommen.“

Gleichwohl sei man von einer Einbaupflicht noch entfernt, so Storjohann zu unserer Zeitung. So müssen Kostenfragen beachtet werden. Die Unfalldatenspeicher in Luxuswagen mit einzubauen, dürfte für die Käufer kein Problem sein. Anders aber bei jenen Autofahrern, die sich nur kleine oder mittelgroße Wagen leisten können. Außerdem, so Storjohann, seien datenschutzrechtliche Aspekte sorgfältig zu beachten. Die Kritiker der „Blackbox“ führen genau das ins Feld.

Beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat, der das Verkehrsministerium berät, hat man bereits eine Arbeitsgruppe zum Unfalldatenspeicher eingerichtet, die sich diese Woche wieder treffen wird. Auch dort steht man der „Blackbox“ fürs Auto positiv gegenüber. Aus dem Verkehrsministerium heißt es zudem: „Ein verpflichtender Einbau solcher Unfalldatenspeicher wäre zum Beispiel aus unserer Sicht bei Gefahrguttransporten oder auch Bussen erwägenswert.“ Für eine verbindliche Ausrüstung aller Autos sei aber die EU zuständig.

In Brüssel steht die Ampel für die „Blackbox“ im Auto indes schon auf Grün. Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments hatte unlängst die Kommission aufgefordert, einen Vorschlag mit einem Zeitplan und einem detaillierten Zulassungsverfahren bis Ende dieses Jahres vorzulegen, der die schrittweise Einführung der „Blackbox“ zunächst „in Leihfahrzeugen, später auch in gewerblich genutzten und in privaten Fahrzeugen vorsieht“.

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