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Neuer Trierer Bischof Stephan Ackermann erwartet schmerzhafte Spar-Beschlüsse

Der neue Trierer Bischof Stephan Ackermann hat an die Christen appelliert, sich angesichts der Wirtschaftskrise stärker in die Politik einzubringen. Nicht nur Bischöfe sollten die „Stimme des christlichen Gewissens“ sein. Mit Ackermann sprachen die SZ-Redakteure Patrick Griesser und Guido Peters. (Veröffentlicht am 10.04.2009)

Stephan Ackermann neuer Bischof von Trier

Der neu von Papst ernannte Bischof des Bistums Trier, Weihbischof Stephan Ackermann.Foto: Harald Tittel (dpa)

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Bischof Ackermann, Sie werden mit 46 Jahren Deutschlands jüngster Diözesanbischof. Wie kommt man so schnell die kirchliche Karriereleiter hoch?
Ackermann: In das Bischofsamt wird man berufen. Das hat nichts mit Karriereleiter zu tun. Ich habe auf jeden Fall nicht daran gearbeitet. Selbst ansonsten kritische Stimmen in der Kirche begrüßen Ihre Ernennung.

Überrascht Sie das?
Ackermann: Da schwingt ein großer Stolz der Diözesanen mit, dass jemand aus ihrer Mitte zum Bischof berufen wurde.

Wie würden Sie sich selber beschreiben? Verraten Sie uns Ihre Stärken und Schwächen?
Ackermann: Mitstreiter bescheinigen mir einen guten Blick auf Personen und Situationen, sie wahrzunehmen und zu analysieren. Ich kann aber auch zäh sein, das heißt Dinge beharrlich weiter verfolgen, die mir wichtig sind. Und: Ich kann es nicht haben, wenn nicht sorgfältig gearbeitet wird. Zu meinen Schwächen gehört zweifellos die Ungeduld.

Journalisten versuchen natürlich den neuen Kirchenmann einzuordnen. Was sagen Sie zu: Innerkirchlich rechts, gesellschaftspolitisch links, so eine Art Mini-Marx?
Ackermann (lacht): Ich will natürlich keine Kopie von Reinhard Marx sein, man kann ihn auch nicht kopieren. Alles Schubladen-Denken gefällt mir nicht. Nach einer gewissen Zeit wird man sehen, wo die Menschen mich einordnen. Dass ich kirchlich kein Revoluzzer bin, werden Sie sich denken können. Innerkirchliche Probleme wie die Fortsetzung der Strukturreform oder Einbrüche bei den Finanzen gibt es genügend.

Kann der neue Bischof einige Eckpunkte seines „Regierungsprogramms“ nennen?
Ackermann: Zurzeit noch nicht. Ich will aus der neuen Perspektive eines Diözesanbischofs nochmals genau hinschauen, bevor es zu Entscheidungen kommt. Die begonnene Zusammenlegung der Pfarreien wird fortgesetzt. Wir müssen die Kräfte bündeln, um Gestaltungsspielraum zu haben. Dazu gibt es keine Alternative. Entscheidend wird die Ausgestaltung der Strukturen mit kirchlichem Leben sein.

Werden Sie vor dem Hintergrund sinkender Kirchensteuereinnahmen nochmal den Sparhebel ansetzen?
Ackermann: Ja. 2009 fehlen 30 Millionen Euro. Die werden aus den Rücklagen entnommen. Das könnten wir vier bis fünf Jahre so machen und dann wären die Rücklagen aufgebraucht. Insofern wird es auch zu schwierigen und schmerzhaften Entscheidungen kommen, die nicht nur auf Gegenliebe stoßen werden.

Heißt das beispielsweise, es könnten auch Kindergärten geschlossen werden?
Ackermann: Es muss alles auf den Prüfstand. Das Defizit von 30 Millionen ist sehr massiv. Es ist natürlich Handlungsdruck da, aber wir sind noch nicht soweit, zu sagen, was passieren wird.

Angesichts der Wirtschaftskrise rückt auch die katholische Soziallehre wieder öfter in den Blick. Ist sie nur ein Feigenblatt? Ackermann: Ich spüre, dass es eine Renaissance der katholischen Soziallehre gibt. Wir haben an diesem Punkt etwas einzubringen, das nicht nur für den binnenkirchlichen Raum ist, sondern das darüber hinaus wirkt und dem Zusammenleben dient.

Heißt das auch, dass sich Katholiken wieder stärker in der Politik engagieren sollten?

Ackermann: Ja, unbedingt. Ich fände es überhaupt wichtig, dass sich nicht nur Katholiken, sondern dass sich mehr überzeugte Christen mit ihrem Profil in der Politik und in der Wirtschaft einbringen. Dass also nicht nur die Bischöfe die Stimme des christlichen Gewissens sind, sondern dass wir viele Christen an Stellen haben, wo es um große gesellschaftliche Verantwortung geht.

Wie ist denn Ihr Bezug zum Saarland?
Ackermann: Dem Saarland will ich in der kommenden Zeit erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Das ist ja der Teil des Bistums, in dem ich noch nicht über längere Zeit tätig war. Das Saarland ist mir aber nicht unbekannt. Ich bin am Ernennungstag vor dem Dom auch schon herzlich begrüßt worden, etwa von Menschen von der Bouser Höh’, aus Völklingen.

Was erwarten Sie denn von den Katholiken?

Ackermann: Die Freude am Glauben. Und dass man nicht schamhaft ist. Dass man den Glauben wertschätzt und auch dazu steht. Das habe ich im Saarland schon an vielen Stellen erlebt.

Ihr Namensvetter Josef Ackermann leitet ja die Deutsche Bank? Kennen Sie sich?
Ackermann: Persönlich kenne ich ihn nicht, er ist ja Schweizer und nicht mit mir verwandt.

... und getroffen haben Sie ihn auch noch nicht?
Ackermann: Nein. Meine Konten sind nicht der Art, dass ich ihm schon begegnet wäre.

Apropos: Was verdient ein Diözesanbischof denn? Wissen Sie das bereits?
Ackermann: Ich weiß es nicht, muss ich ehrlich sagen. Mein Vater hat immer, wenn bei mir in den vergangenen Jahren eine berufliche Veränderung anstand, gefragt: Ist denn da eine Gehaltserhöhung mit drin? (kurze Pause) Und davon gehe ich jetzt mal aus. (Er lacht).

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