Sie sind hier: HomeAufmacher
Berlin

Krebsforscher warnen vor Risiken der E-Zigarette – 2,2 Millionen Konsumenten

Von SZ-Korrespondent Stefan Vetter, 18.05.2013 13:06
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Arzt Doktor Medizin Krankenhaus

Gemäß dem Deutschen Krebsforschungszentrum sind E-Zigaretten nicht so harmlos, wie es den Anschein habe. Foto: dpa (Symbolfoto)
Wie gefährlich sind elektrische Zigaretten? Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse sind noch rar. Krebsforscher sorgen sich vor allem um die Jugend.
Die elektrische Zigarette erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Seit etwa fünf Jahren auf dem Markt, gibt es nach Angaben des Verbandes des E-Zigarettenhandels mittlerweile rund 2,2 Millionen Konsumenten, die das Rauchen mit technischen Mitteln simulieren, ohne dabei Tabak zu verbrennen. Die Hersteller versprechen den Nutzern eine gesunde Alternative zum herkömmlichen Glimmstängel. Doch das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt in einer gestern veröffentlichten Studie, dass E-Zigaretten nicht so harmlos seien, wie es den Anschein habe.

Bei der E-Zigarette saugt der Konsument an einem Mundstück oder betätigt eine Taste, wodurch eine Flüssigkeit (Liquid) verdampft wird. Liquids gibt es in zahlreichen Geschmacksrichtungen wie etwa Himbeere und Kirsche, aber auch Amaretto und Cola. Den dabei entstehenden, als feiner Dampf sichtbaren Nebel atmet der Raucher ein. Hauptbestandteil der Flüssigkeit ist Propylenglykol, das auch als Lebensmittelzusatzstoff oder Feuchthaltemittel in Kosmetikprodukten dient.

Die meisten Liquids enthalten zudem Nikotin. Die Nikotinmenge sei aber nicht selten „ungenau oder sogar falsch deklariert“, erläuterte die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, Marina Pötschke-Langer. Dadurch könne es zu Überdosierungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen kommen. Zudem enthalte der Nebel mancher Liquids krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd, Nickel oder Chrom.

In der Studie wird allerdings auch eingeräumt, dass die Forschungen über Risiken und Nebenwirkungen der E-Zigarette noch in den Kinderschuhen stecken, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse also rar sind. Dafür steht die Meinung vieler Konsumenten bereits fest. Umfragen zufolge greifen fast 80 Prozent zur E-Zigarette, um ihre Gesundheitsgefährdung zu verringern. Und immerhin drei Viertel glauben, sich mittels der E-Zigarette das klassische Rauchen abgewöhnen zu können. Für einen dauerhaften Entzug fehle es an Belegen, kontert die Krebs-Expertin Katrin Schaller. Nach der aktuellen Datenlage könnten die E-Zigarette aber Entzugssymptome lindern. Für Schaller und ihre Kollegen ist das freilich kein Trost. In der Studie wird auch zu bedenken gegeben, dass die E-Zigarette gerade jungen Nichtrauchern als Einstieg in den herkömmlichen Tabakkonsum dienen könne. Schließlich sei sie auch ein Lifestyle-Produkt.

Der EU-Kommission ist der Aufschwung der E-Zigarette ebenfalls schon länger ein Dorn im Auge. Gesundheitskommissar Tonio Borg will dafür sorgen, dass nur noch Produkte mit geringem oder gar keinem Nikotingehalt frei verkäuflich sind. Ab einem Schwellenwert von vier Milligramm pro Milliliter Flüssigkeit, so Borgs Plan, sollen E-Zigaretten EU-weit nur noch in Apotheken erhältlich sein. Das Krebszentrum macht sich derweil für eine generelle Apothekenpflicht stark. Denn selbst E-Zigaretten ohne Nikotin seien für Jugendliche nicht unproblematisch. Außerdem könnten die Hersteller das EU-Vorhaben durch eine falsche Deklarierung unterlaufen.
Das könnte Sie auch interessieren
Geld
Saarbrücken

Saarland gegen Steuerparadiese in Deutschland

Beim Treffen der Finanzminister in Berlin geht es um die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen. Dabei steht für das Saarland viel auf dem Spiel – gerade wenn es um Steuerautonomie geht.Mehr
Kaiserslautern

FCK-Sportdirektor Schupp nimmt erfahrene Spieler in die Pflicht - Heute Spiel gegen Union Berlin

Die erste Saisonniederlage nagt noch an den Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern. Sportdirektor Markus Schupp sieht bei der Mannschaft Lernbedarf. Trainer Kosta Runjaic hofft derweil auf den nächsten Entwicklungsschritt – heute Abend gegen Union Berlin.Mehr
Rente
Berlin

Union will ein Trostpflaster für die Rente mit 63

In der großen Koalition wird über flexible Übergänge in die Rente verhandelt. Die Union sinnt auf ein Trostpflaster für das SPD-Projekt Rente mit 63, dem sie nur widerwillig zugestimmt hatte.Mehr

Kommentare

ACHTEN SIE BEIM KOMMENTIEREN AUF DIE NETIQUETTE UND UNSERE KOMMENTAR-RICHTLINIEN.
Bei Fragen zu unserer Kommentarfunktion beachten Sie unsere FAQ.

Disqus ist ein Serviceangebot eines Drittanbieters, Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen


Disqus ist leider inkompatibel mit einigen älteren Browser-Versionen. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um unsere Kommentarfunktion nutzen zu können.

Anzeige


Beilagen




Anzeige