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Saarbrücken

1. FC Saarbrücken setzt nach Rücktritt von Sasic vorerst auf Co-Trainer Kilic

Von Patric Cordier, 12.02.2014 03:54
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Unter Milan Sasic bereitete FCS-Co-Trainer Fuat Kilic die Trainingseinheiten vor, jetzt trägt er zumindest vorübergehend die Gesamtverantwortung. Foto: fcs
Der 1. FC Saarbrücken ist auf der Suche nach dem Trainer, mit dem die Mission Verbleib in der 3. Liga noch gelingen soll. Möglicherweise wird der bisherige Co-Trainer Fuat Kilic die Chance bis Saisonende erhalten.
„Ja Junge, gut so. Bleib dran. Prima.“ Positive Verstärkung nennt man das wohl, was Fuat Kilic da macht. Gestern leitete der 40-jährige Fußball-Lehrer erstmals alleinverantwortlich das Training beim Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich bis auf Weiteres die gesamte Verantwortung habe“, erzählte Kilic, der 2012 interimsmäßig Chef beim türkischen Zweitligisten Kasimpasa war: „Die Details werden in den nächsten Tagen geklärt.“

Das wichtigste Detail ist wohl, ob Kilic nun zumindest bis zum Saisonende auf dem Chefsessel Platz nehmen darf, oder ob der Verein noch einmal einen neuen Trainer von außen dazu holt. „Wir sondieren den Markt“, sagte FCS-Präsident Hartmut Ostermann gestern knapp. Er sagte aber auch, dass Kilic ebenso ein Gespräch bekomme wie mögliche externe Kandidaten.

Da das Heimspiel gegen die SpVgg. Unterhaching am Samstag (14 Uhr, Ludwigspark) aber unter allen Umständen gewonnen werden soll, muss eine Trainerentscheidung ganz schnell getroffen werden. Der Ex-Elversberger Jens Kiefer gilt bei vielen Fans als Favorit, auch weil er Verein und Umfeld kennt. Der Mann aus Spiesen steht kurz vor dem Abschluss seiner Fußball-Lehrerausbildung. Trainer wie Bernhard Trares (FC Schalke 04 II) oder Peter Hyballa (zuletzt Alemannia Aachen) bräuchten wieder eine gewisse Eingewöhnungszeit – und Zeit ist dieser Tage Mangelware beim FCS.

Warum also nicht doch Fuat Kilic? Im September war der Familienvater (zwei Kinder) als Co- Trainer von Milan Sasic ins Saarland gekommen. Am Montag teilte ihm sein Freund, mit dem er schon in Kaiserslautern und Duisburg zusammengearbeitet hatte, seinen Rücktritt mit. „Ich war gerade auf der Rückfahrt von zuhause ins Saarland“, sagte Kilic, dessen Familie in Köln lebt: „Ich war immer loyal, bin keiner, der von hinten stänkert.“ Doch er sei auch ein „ambitionierter Trainer, und ich werde versuchen, das Bestmögliche aus der Mannschaft herauszuholen“. Dabei will er sich zwar von den Stärken Sasics wie „Akribie, Arbeitsdisziplin und der absolute Glaube, Dinge zum Positiven verändern zu können“ leiten lassen, dabei aber seinen eigenen Weg gehen.

„Ich will in unserer Spielweise mehr Dominanz. Gegen den Ball, aber besonders auch in Ballbesitz“, sagte Kilic über seine Philosophie: „Wir müssen mit Tempo in den Strafraum kommen. Wir werden und wir müssen ab sofort in jedem Spiel auf Sieg spielen. Eine andere Wahl haben wir doch gar nicht.“

Dabei setzt Kilic ganz bewusst nicht nur auf die Winter-Neuzugänge. „Ich muss auch den Spielern, die zuletzt hintendran waren, vermitteln, dass jeder die Chance hat, der Mannschaft zu helfen“, sagte Kilic. Die Fitnesswerte der Mannschaft stimmten. Es gelte, das Bewusstsein für das eigene Können zu stärken. „Die Seele streicheln ist jetzt das A und O. 99 Prozent spielen sich im Kopf ab“, sagte Kilic: „Wir brauchen den Moment, wo die Spieler sagen: Es geht doch.“

Darum gab es gestern im Training viele Spielformen mit Torabschluss. Selbstvertrauen muss her – und Spaß. Anders als sein Vorgänger will Kilic keine Parallelen zur fast unmöglichen Rettung des 1. FC Kaiserslautern unter dem Duo Sasic/Kilic ziehen. Er sieht die Mannschaft des FCS in der Verantwortung, aber er glaubt an sie: „In ausweglosen Situationen werden Helden geboren.“


 

„Ab jetzt zählt nur noch Attacke“

Milan Sasic hat sich nach seinem Rücktritt am Montagabend gestern von den Spielern des 1. FC Saarbrücken verabschiedet. Diese blicken jetzt nach vorne und wollen mit dem neuen Cheftrainer noch mal angreifen.

Genau 150 Tage dauerte die Amtszeit von Trainer Milan Sasic beim Fußball- Drittligisten 1. FC Saarbrücken – am Montagabend trat der Kroate von seinem Amt zurück. Ob aus freiem Willen oder auf Druck des Umfeldes sei dahin gestellt – gestern jedenfalls räumte er seine Sachen aus dem Trainerbüro und verabschiedete sich von Funktionsteam und Mannschaft.

„Ich hinterlasse hier keine verbrannte Erde“, sagte Sasic, als er zum vorerst letzten Mal das FC-Sportfeld verließ: „Ich habe immer versucht, im Sinne des Vereins professionelle Strukturen zu schaffen.“ Seinem bisherigen Co-Trainer und eventuellen Nachfolger Fuat Kilic wünschte er „von Herzen Glück. Ihm und dem Verein.“

Der Applaus der Spieler nach Sasics Abschiedsrede klang jedoch sehr verhalten. „Ich weiß nicht, ob das jetzt nötig war“, sagte Marcel Ziemer. Der Stürmer hatte gemeinsam mit Sasic den 1. FC Kaiserslautern aus einer ähnlich schwierigen Situation gerettet. „Ich kenne Milan schon lange und denke nicht, dass er der Grund für den Misserfolg war“, sagte Ziemer, „es wurden viele Einkäufe getätigt, und die haben nicht gegriffen. Wenn die Punkte nicht eingefahren werden, ist ein Trainerwechsel halt normal.“

Das sieht auch Martin Forkel so, der bereits in Koblenz mit Sasic gearbeitet hat. „Wir haben eine sportlich verfahrene Situation, und dann ist es der Lauf der Dinge. Nach einem Wechsel passiert immer etwas. Es gibt immer unzufriedene Spieler, die dann aufs Neue ihre Chance sehen“, meinte Forkel: „Dadurch kann ein Ruck durch die gesamte Mannschaft gehen.“

Diese Hoffnung hatten die Vereinsverantwortlichen schon bei der Beurlaubung von Jürgen Luginger und der Inthronisierung Sasics im September. Das Ergebnis ist ernüchternd: Der FCS ist mit neun Zählern Rückstand Tabellenschlusslicht. „Ein Trainerwechsel ist nie eine schöne Sache – und wir hatten jetzt schon zwei“, erklärte Kapitän Timo Ochs gestern: „Das spricht auch immer gegen die Mannschaft. Und darum ist es auch für uns Spieler eine bittere Situation.“ Ob man die Zeichen schon früher hätte erkennen müssen und den wegen seines Führungsstils kritisierten Sasic noch vor seiner Einkaufstour in der Winterpause hätte freistellen müssen, wollte Ochs nicht unterstützen. „Ich hatte ein langes, ausführliches Gespräch mit unserem Präsidenten Herrn Ostermann“, erzählte Ochs, „das war direkt nach dem Trainingslager. Alle waren positiver Stimmung.“ Doch der FCS wartet im Jahr 2014 weiter auf den ersten Punktgewinn. „Wir müssen die Situation jetzt annehmen. Noch ist alles möglich“, appellierte Ochs an alle: „Wir haben eine enorme Qualität in der Kabine. Jetzt müssen wir sie endlich einmal auf den Platz bringen.“

Dass Kilic in seiner ersten Ansprache nach der Sasic-Ära zumindest richtige Worte gefunden hatte, bewiesen die Aussagen von Stürmer Stefan Reisinger: „Mit Fuat kommt frischer Wind in die Sache. Wir werden sicher nicht alle Spiele gewinnen, aber wir müssen immer auf Sieg spielen. Ab jetzt zählt nur noch Attacke.“ cor
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