Sie sind hier: HomeHauptordnerStandpunkt

Die Hass-Botschafterin hat in Frankreich beste Chancen



Die Hass-Botschafterin hat in Frankreich beste Chancen
Von  Christine Longin, 
22. April 2017, 02:00 Uhr

Marine Le Pen setzt auf eine teuflische Gleichung. Brexit plus Trump gleich Le Pen – so lautet ihre Rechnung, die am Sonntag aufgehen soll. Der Erfolg der Populisten, der die Briten mehrheitlich für den EU-Ausstieg stimmen ließ und sich in den USA mit der Kür von Donald Trump fortsetzte, soll sie in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen zum Sieg führen. Der käme nicht mal überraschend: Umfragen sehen die Chefin des Front National seit Monaten auf Platz eins oder zwei. Und der Anschlag auf den Champs-Elysées erfolgte aus ihrer Sicht zum idealen Zeitpunkt: Le Pen, die auf mehr Sicherheit und null Einwanderung setzt, schlachtete das Ereignis sofort mit einer martialischen Stellungnahme im Fernsehen aus. Dank dieser Hass-Botschaft dürfte ihr der Einzug in die Stichwahl endgültig sicher sein.

Doch wer tritt am 7. Mai gegen die Populistin an? Ihrem Konkurrenten in der zweiten Runde ist die Präsidentschaft allen Umfragen zufolge nicht mehr zu nehmen. Das Horror-Szenario wäre ein Duell zwischen Le Pen und dem Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon, der ebenfalls einen EU-Ausstieg ansteuern könnte. Am Ende stünde das Aus für Europa, wie es die Nachkriegs-Generationen kennen. Auch wenn es anders kommt: Allein die Möglichkeit einer solchen Paarung in der Stichwahl ist ein Warnsignal. Zeigt sie doch das Erstarken der Extremisten zu Lasten der traditionellen Parteien.

Die sind dieses Jahr schwach wie nie. Die Sozialisten leiden unter dem Erbe des unbeliebten Präsidenten François Hollande, der die erhoffte Wende am Arbeitsmarkt schuldig blieb. Die Konservativen, die den Machtwechsel nach den Vorwahlen schon in Händen hielten, haben ihn wegen der Affären ihres Kandidaten François Fillon wohl wieder verloren. Statt um Arbeitslosigkeit ging es im Wahlkampf um geschenkte Anzüge. Kein Wunder, dass sich viele Franzosen angeekelt von der Politik abwenden. „Tous pourris“ – alles faul – lautet die Formel, die der Front National einst erfand. Inzwischen passt er auch auf ihn selbst, denn die Partei von Marine Le Pen ist ebenfalls im Affärenstrudel gefangen.

Die Politikverdrossenheit könnte dazu führen, dass rund 30 Prozent der Wahlberechtigten am Sonntag zu Hause bleiben. Eine Zahl, die an jenes fatale Jahr 2002 erinnert, als Jean-Marie Le Pen überraschend in die Stichwahl kam. Die „republikanische Front“, die damals gegen den Rechtsextremisten stand, ist inzwischen längst zerfallen. Auch weil die Parteien, die sie damals bildeten, inzwischen Einfluss verloren haben. Für den nächsten Präsidenten bedeutet das nichts Gutes. Denn gerade ein unabhängiger Kandidat wie Emmanuel Macron, der in den Umfragen vorne liegt, braucht Mehrheiten, um regieren zu können. Aber genau die sind in der nächsten Nationalversammlung fraglicher denn je. Statt Stabilität könnte also Chaos herrschen nach dem 7. Mai in Frankreich.

Forbach

Hamon will mehr Geld für Sicherheit

Das hat er sich ganz anders vorgestellt. Fünf Tage nach seiner Kür als Präsidentschaftskandidat der Sozialisten hatte Benoît Hamon die Grenzstadt Forbach für den Auftakt seines Wahlkampfs ausgesucht. Mehr
Fessenheim

Fessenheim produziert wieder Strom – Schließung verzögert sich

Die einen atmen auf, die anderen ärgern sich: Am Freitagabend wurde Block eins des elsässischen Atomkraftwerks (AKW) Fessenheim wieder hochgefahren. Mehr

Post vom kleinen Nic

Gestern hat mir der kleine Nic wieder geschrieben. Endlich. Dachte schon, er mag mich nicht mehr. Früher, als Nicolas Sarkozy Präsident von Frankreich war, bekam ich regelmäßig E-Mails von ihm. Mehr



Teilen und diskutieren

Kommentieren Sie diesen Beitrag über Facebook, Twitter oder Google+:

FACEBOOK
GOOGLE+
TWITTER



Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken


ANZEIGE
Beilagen






Anzeige