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Warum der Tod von Fidel Castro für Kuba eine große Chance ist



Havanna
Mehr Freiheiten und ein unkalkulierbares Risiko
Warum der Tod von Fidel Castro für Kuba eine große Chance ist

Von  Klaus Ehringfeld, 
28. November 2016, 02:00 Uhr

Die Nachricht vom Tod seines Bruders schloss Raúl Castro am Freitagabend mit dem alt bekannten Schlachtruf der kubanischen Revolution: „Hasta la victoria siempre.“ Immer bis zum Sieg! Aber um welchen Sieg es eigentlich geht, steht mit dem Tod des „Máximo Líder“ mehr denn je in Frage. Denn mit dem Revolutionsführer ist auch die Revolution in eine andere Etappe getreten.

Der Tod von Castro I. ist eine historische Zäsur. „Fidels biologischer Tod kommt viele Jahre nach seinem politischen Tod“, sagt der Historiker Rafael Rojas. Will sagen: Raúl Castro ist mit 85 Jahren verwaist. Er hat in seinem Leben keinen Schritt ohne seinen großen Bruder gemacht, der stets darüber gewacht hat, dass Raúl alles richtig macht. Nun kann dieser seine eigenen Entscheidungen ohne Rücksicht treffen. Der Transformationsprozess, der unter Raúl begonnen hat, könnte nun schneller vorankommen. Fidels Tod ist eine Chance für Kuba – aber auch ein Risiko.

Die jungen Menschen zwischen Havanna und Santiago de Cuba konnten mit dem grauen und greisen Revolutionär, der Fidel bis zuletzt blieb, nicht mehr viel anfangen. Die heute 15-Jährigen verbinden keine Erinnerung mit ihm, weil er seit zehn Jahren kaum noch öffentlich auftrat. Mit seinem Tod wird der ältere Castro endgültig zur Ikone und mythologischen Figur. Dass Raúl vieles anders machen will, hat er schon lange klar gemacht: Blieb sein Bruder fast 48 Jahre an der Macht, will Castro II. nur noch bis 2018 regieren, dann sollen Jüngere ran. Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge als Staats- und Regierungschef gilt Miguel Díaz-Canel. Er ist 56 Jahre und ein ähnlich vorsichtiger Reformer wie Raúl.

Dieser öffnete vor allem die Wirtschaftspolitik, gab der Kultur mehr Freiheiten und suchte international neue Allianzen, vor allem mit dem Erz- und Lieblingsfeind USA. Aber nach innen habe Raúl an dem totalitären und repressiven Charakter des kubanischen Modells festgehalten, betont der Historiker Rojas. Tatsächlich schwebt der aktuellen Führung in Havanna ein chinesisches Entwicklungsmodell vor: wirtschaftliche Liberalisierung bei Beibehaltung des Einparteien-Staates. Weiter so, aber nur nicht zu schnell – das war die Leitlinie, die Raúl im Frühjahr auf dem Parteitag der KP vorgab: keine Chance den Nostalgikern, die das Rad am liebsten bis in die Zeiten der Sowjetära zurückdrehen wollten. Aber er machte auch klar, dass „neoliberale Rezepte“ im kubanischen Sozialismus keinen Platz hätten. Dabei hat der jüngere Castro die Probleme der Insel klar vor Augen: Die Abhängigkeit von Importen und dem klammen Venezuela, viel zu geringes Wachstum, viel zu wenig Investitionen. Es zeigt sich eben, dass ein bisschen Kapitalismus nur schwer zu verwirklichen ist.

Der Tod von Übervater Fidel eröffnet nun die Chance auf eine Neuausrichtung. „Die Trauerfeier wird voller melancholischer und rückwärtsgewandter Reden sein“, sagt Rojas. „Aber wenn der Bestattungsnebel verzogen ist, werden Raúls Reformen weiter und tiefer gehen.“ Dabei gibt es allerdings ein unkalkulierbares Risiko: Die USA und ihr künftiger Präsident Donald Trump. Was, wenn er die Entspannungspolitik kassiert und wieder auf Konfrontation setzt, um den Regimewechsel zu beschleunigen? Ohne Fidel, aber mit Donald – das sind zwei große und unerwartete Unsicherheitsfaktoren, mit denen Raúl jetzt umgehen muss.

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