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Obstdiebe im Saarland werden immer dreister
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17. September 2010, 01:40 Uhr
Herbstzeit ist Erntezeit. Neben den Landwirten bedienen sich auch viele unrechtmäßig an Sträuchern, Bäumen und Feldern. Das ist kein Kavaliersdelikt, sagen die Geschädigten.
Von SZ-Redaktionsmitglied Ute Klockner

Saarbrücken.
Im Dunkel der Nacht schlagen sie zu, ausgestattet mit Taschenlampe und Obststeigen, nicht selten auch mit dem Auto. Die Methoden der Obst- und Gemüsediebe werden zunehmend dreister. Den ertappten Langfingern fehle es allzu oft an Unrechtsbewusstsein, haben betroffene Landwirte festgestellt.

„Es geht mir natürlich nicht um zwei oder drei Äpfel am Wegrand, das ist in meinen Augen auch kein Diebstahl“, sagt Apfelbauer Wolfgang Schmitt aus Merzig-Menningen., „Ich habe erlebt, dass das die Diebe systematisch machen, sie kommen mit Kisten und Paletten.“ Doch in den vergangenen Jahren gebe es vermehrt professionelle Diebstähle.

„Ich mache keinen Unterschied, ob einer mit dem Auto oder einer Tüte kommt. Das Behältnis zeigt, dass er das vorsätzlich macht“, findet hingegen Katharina Bernauer, die mit ihrem Mann den Erdbeer- und Spargelhof in Heusweiler betreibt. Auch vor Gemüse machen die Diebe nicht Halt. „In der Erntezeit sind wir nie die Ersten, die an ein Feld kommen“, berichtet Ursula Faust vom Gemüsebau Faust in Saarlouis-Lisdorf. „das ist beinah schon normal, dass pro Acker 20 bis 30 Pflanzen fehlen.“ So würden etwa vom Mangold würden innen die Herzen rausgeschnitten, im Frühjahr die frisch gesetzten Salatpflanzen gestohlen. Vor ein paar Jahren wollten Diebe den Blumenkohl verkaufen.

Bei der saarländischen Landwirtschaftskammer seien diese Diebstähle bisher kein Thema. Das liege auch daran, dass es nur wenig Obst- und Gemüseanbau im Saarland gebe, sagt der Pflanzenschutzberater der Landwirtschaftskammer, Günter Hinrichs. Auch der Bauernverband Saar e.V. hört keine Klagen von den Landwirten. Insgesamt entstehe finanziell kein großer Schaden, sagt Bauernverbandsreferent Gerhard Lauer: Aber für die Betroffenen ist es natürlich hart.“

Schwierig ist es auch für Wolfgang Schmitt, den für ihn entstandenen Schaden zu beziffern. „Unser Obst wird zu veredelten Produkten wie Marmelade, Schnaps oder Likör verarbeitet. Wenn da von einer Sorte zu viel geklaut wird, kann es sein, dass kein sortenreiner Schnaps gebrannt werden kann.“ Das sei ihm schon bei einem Kirschlikör passiert. „Es ist sehr ärgerlich, wenn wir das ganze Jahr die Bäume gepflegt haben und im Herbst nichts mehr dran hängt.“

Auf frischer Tat ertappt werden nur die wenigsten. „Dabei hören wir die tollsten Ausreden“, erzählt Katharina Bernauer. „Sie hätten das Geld dafür ja hinlegen wollen oder hätten sich am nächsten Tag gemeldet .“ Nur wenige reagierten einsichtig, manche würden gar grob: „Einer hat meinem Vater sogar mit Prügel gedroht.“

Ein anderes Mal habe ihr Mann einen Grundschüler im Feld erwischt. Es stellte sich heraus, dass ihn seine Mutter zum illegalen Pflücken zum Feld gefahren hatte. Strafanzeigen bei der Polizei würden oft wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Um Unholde abzuhalten, haben die Bernauers Zäune um ihre Felder gezogen „aber die werden niedergetreten“. „Bei uns geht es rein technisch gar nicht, überall einen Zaun zu setzen, die Traktoren müssen schließlich fahren können“, sagt Ursula Faust. Auch Obstbauer Schmitt will keine Zäune um seine Streuobstwiesen spannen: „Trauriger als den Diebstahl selbst fände ich es, wenn jeder um seine Ländereien einen Zaun macht. Ich nehm’s halt so hin.“ Dabei gebe es die Möglichkeit, Bäume in Pflege zu nehmen, etwa dort, wo es die Eigentümer selbst nicht mehr können. Stattdessen kämen viele, die die Äpfel von den Bäumen schüttelten und dabei die am Boden liegenden zeträten. „Die nehmen von den Guten die Schönsten“, bringt es Schmitt auf einen einfachen Nenner.



Hintergrund


„Mundraub“ gab es bis 1975 im deutschen Strafrecht als Strafbestand und wurde mit bis zu sechs Wochen Freiheitsstrafe bestraft. Heute wird der Obstklau als Diebstahlsdelikt auf Strafantrag verfolgt.

Macher der Webseite www.mundraub.org propagieren hingegen den legalen Mundraub. Auf einer Karte von Google Maps können Besucher deutschlandweit wilde oder vergessene Bäume zum Abernten eintragen. Aber zum Diebstahl animieren wollen die Erfinder nicht: „Wahre Mundräuber lassen beim leisesten Zweifel über die Freigabe eines Baumes die Finger von den Früchtchen.“ ukl



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