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Saarländer werden immer weniger
Saarbrücken

23. Juni 2010, 01:36 Uhr
Geburtenzahl erreicht neues Rekordtief – Massive Fortzüge in andere Bundesländer


 
Der Bevölkerungsschwund im Saarland hat sich beschleunigt. Die Geburtenzahl im Land erreicht ein neues Rekordtief, und auch die Wanderungsverluste gegenüber anderen Bundesländern nehmen stark zu.


Von SZ-Redakteur Norbert Freund

Saarbrücken. Die Zahl der Geburten im Saarland ist im vorigen Jahr auf den niedrigsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg gefallen. Wie das Statistische Amt Saarland der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage mitteilte, erblickten im Jahr 2009 nur 6927 Babys im Land das Licht der Welt. Die Geburtenzahl fiel damit erstmals unter die „magische“ Marke von 7000 Geburten. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 hatten die Statistiker 7158 Geburten registriert. Wie das Statistische Amt weiter auf SZ-Anfrage mitteilte, starben im Jahr 2008 genau 12.588 Menschen im Saarland Dadurch erreichte das Geburtendefizit – also der Betrag, um den die Zahl der Sterbefälle die der Geburten übersteigt – mit 5661 den höchsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.

Beschleunigte Abwanderung

Massiv beschleunigt haben sich zugleich die Wanderungsverluste des Saarlandes. Im Jahr 2009 lag die Zahl der Fortzüge aus dem Saarland um 2077 höher als die der Zuzüge. Der Wanderungsverlust erreichte damit den höchsten Wert seit 1998. Im Jahr 2008 hatte der Wanderungsverlust mit 884 deutlich niedriger gelegen.

Während das Saarland gegenüber dem Ausland erneut einen Wanderungsgewinn verbucht – es gab 7410 Fortzüge ins Ausland bei 7745 Zuzügen –, erreichen die Verluste gegenüber anderen Bundesländern mit einem Negativsaldo von 2412 (2008: 1738) den höchsten Wert seit 1988.

13.076 Saarländer zogen im vergangenen Jahr in ein anderes Bundesland, während nur 10.664 aus dem Bundesgebiet ins Saarland zogen. Zum Vergleich: Von 1996 bis 2005 hatten die Wanderungsverluste des Saarlandes gegenüber anderen Bundesländern unter dem Strich immer unter der Marke von 1300 gelegen. In den Jahren 2002 und 2004 gab es sogar noch einen leichten Wanderungsgewinn.

Insgesamt lebten Ende vorigen Jahres nur noch 1.022.590 Menschen im Saarland gegenüber 1.030.328 ein Jahr zuvor, was einem Rückgang um 7738 entspricht. Der Bevölkerungsschwund war demnach im Jahr 2009 so stark wie seit über dreißig Jahren nicht mehr: Zuletzt hatte die Saar-Bevölkerung im Jahr 1978 stärker abgenommen. In jenem Jahr sank die Bevölkerungszahl um 8121 Einwohner. Im Jahr 2008 hatte der Rückgang 6274, im Jahr davor 6569 Einwohner betragen.

Auch die Zahl der Eheschließungen war im vorigen Jahr leicht rückläufig: Sie lag bei 4874 gegenüber 4936 im Jahr 2008. Im Jahr 2006 war hier mit lediglich 4670 Eheschließungen der bisherige Tiefststand erreicht worden.

Der Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung stufte die erneut rückläufige Geburtenzahl als wenig überraschend ein: Der Rückgang sei hier gewissermaßen unvermeidlich, weil durch die im Saarland „bereits seit Jahrzehnten anhaltende geringere Geburtenrate auch die Elterngeneration deutlich kleiner geworden ist“. Selbst wenn die Kinderzahl je Frau gleich bliebe oder leicht steigen würde, nähme die Geburtenzahl noch ab, so Kröhnert. Bemerkenswerter sei da schon die erhöhte Abwanderung in andere Bundesländer. Vermutlich spiele hier die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit an der Saar eine Rolle, sagte der Sozialwissenschaftler der SZ.

Nach Angaben der Arbeitskammer verzeichnete das Saarland im vorigen Jahr bei der Zahl der Erwerbstätigen mit 0,8 Prozent Minus den zweithöchsten Rückgang aller Bundesländer.






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