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GSB Saar übernimmt Holtzbrinck-Anteile an Saarbrücker Zeitung





Saarbrücken
GSB Saar übernimmt Holtzbrinck-Anteile an Saarbrücker Zeitung
30. Mai 2012, 00:01 Uhr
Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar (GSB) haben sich über den Verkauf der Holtzbrinck-Anteile an der Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH verständigt. Zum 1. August wird die GSB ihren Anteil von 26 Prozent auf zunächst 46,9 Prozent erhöhen. Bis spätestens Mitte 2014 wird die Verlagsgruppe ihre Beteiligung vollständig an die GSB übertragen. Dies teilten Verlagsgruppe und GSB mit. Entsprechende Verträge wurden gestern in Stuttgart unterzeichnet. Die Transaktion erfolge vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamtes und in Abstimmung mit der Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst sprach über die Hintergründe mit dem Verleger Stefan von Holtzbrinck sowie mit Professor Rudolf Warnking und Minister a.D. Friedel Läpple von der GSB.
Die Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH und ihre Tochterunternehmen bilden eine innovative und erfolgreiche Mediengruppe. Herr von Holtzbrinck, warum verkaufen Sie eine Beteiligung, die ordentliche Gewinne abwirft?
von Holtzbrinck: In der Tat ist das Unternehmen eine der solidesten Zeitungsgruppen in Deutschland. Zudem stimmen nicht nur die Ergebnisse der Gegenwart, sondern auch die Investitionen in die Zukunft. Der Grund für die Veräußerung liegt allein in einer grundsätzlichen strategischen Neuausrichtung seitens der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Wir wollen uns im globalen Wettbewerb auf weniger Standbeine konzentrieren, auf Bildung und Wissenschaft, auf Literatur, auf digitale Geschäftsmodelle. In diesen weitgefassten Kontext gehört auch fest unsere Beteiligung an der „Zeit“. Die vorgenommene Fokussierung erlaubt es uns, aktiver in den jeweiligen Medien und Märkten den Wandel positiv zu begleiten und zu gestalten.

Sie haben zwar über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. Er dürfte aber sicher im dreistelligen Millionenbereich liegen. Geht die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar nicht hohe unternehmerische Risiken ein?
Warnking: Vorrangiges Ziel der GSB ist es, die Unternehmensgruppe Saarbrücker Zeitung als ein erfolgreiches saarländisches Unternehmen an ihrem jetzigen Standort und in ihrer gegenwärtigen Struktur zu erhalten. Natürlich bergen alle unternehmerischen Entscheidungen auch Risiken in sich. Allerdings ist die Saarbrücker Zeitung wirtschaftlich nicht als Risiko zu sehen. Die Unternehmensgruppe ist heute breit aufgestellt und erfolgreich. In unseren Märkten sind sowohl die Tageszeitungen als auch die Online-Portale unangefochtene regionale Marktführer in den Leser- und Anzeigenmärkten. Dazu kommen als zweites Wachstumsfeld die weltweiten Aktivitäten im Bereich Dokumenten- und Übersetzungsmanagement.
Läpple: Der Geschäftsführung unter Joachim Meinhold ist es in den letzten Jahren im Übrigen hervorragend gelungen, das Unternehmen durch interne Synergien effizient aufzustellen. Wir sind von einem weiterhin erfolgreichen Unternehmenswachstum und von der Zukunft der regionalen Qualitätszeitung überzeugt. Im Übrigen haben wir die Entscheidung über den Kauf der Anteile nicht aus dem Stand getroffen, sondern nach mehr als zwölf Monaten intensiver Vorbereitung. Dabei wurden wir nachhaltig unterstützt von den Gremien der GSB, ihren beiden Geschäftsführern Franz Rudolph Kronenberger und Engelbert Thiel sowie der Assistentin der Geschäftsführung, Karoline Bommersbach.

Sie haben sich bereits von „Handelsblatt“, „Tagesspiegel“, „Main-Post“ und weiteren Beteiligungen getrennt. Glauben Sie nicht mehr an die Zukunft von Zeitungen?
von Holtzbrinck: Im Gegenteil — die Zeitungen werden nicht nur ein langes Leben haben, sondern in wirklich lebenswerter Verfassung fortbestehen trotz aller Herausforderungen durch das Internet. Nicht nur die „Zeit“ und unsere Regionalzeitungen sind ein Beweis für kerngesunde Unternehmen und Qualität. Alle Zeitungen, die unverwechselbare und gut geschriebene Artikel bieten, also einen verlässlichen Journalismus im lokalen oder nationalen Bereich mit Leidenschaft hochhalten und sich zugleich auf die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten einstellen, können zuversichtlich nach vorne schauen.

Besteht nicht die Gefahr, dass künftig politische Parteien über die Stiftungen und die GSB versuchen, Einfluss auf die Saarbrücker Zeitung zu nehmen?
Läpple: Die GSB versteht ihr Engagement in der Saarbrücker Zeitung als einen Beitrag zur gesellschaftspolitischen Bildung und zur Erhaltung einer publizistischen Stimme des Saarlandes in der Bundesrepublik. Seit über 40 Jahren trägt die GSB als Gesellschafterin zur erfolgreichen Entwicklung und zur Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Unternehmensgruppe entscheidend bei und wird dies weiter tun.
Warnking: In dieser Zeit haben wir bewiesen, dass die GSB weder abhängig ist von aktuellen politischen Entwicklungen noch von den saarländischen Parteien und Landtagsfraktionen. Die politischen Parteien des Saarlandes nehmen weder Einfluss auf die Besetzung der Entscheidungspositionen bei der GSB noch auf die Geschäftspolitik der Saarbrücker Zeitung. Wir werden auch in Zukunft die Saarbrücker Zeitung als politisch unabhängige Tageszeitung und Unternehmensgruppe erhalten.

Bei der Saarbrücker Zeitung gilt ein Redaktionsstatut, das die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Zeitung sichert. Wird sich daran etwas ändern?
Läpple: Hierfür besteht keinerlei Anlass. Das Saarland benötigt eine unabhängige und überparteiliche Qualitätszeitung und es ist stolz, diese zu haben.

Wollen Sie alle Zeitungen und die Euroscript zusammenhalten oder stehen einzelne Unternehmen in der Folge zum Verkauf?
Warnking: Zunächst müssen wir den Übergang aus der Holtzbrinck-Ära gestalten. Eine Restrukturierung der Unternehmensgruppe ist aktuell nicht geplant. Es ist in den letzten Jahren gelungen, zahlreiche Synergien zwischen den Zeitungshäusern zu generieren. Nehmen Sie als Beispiel nur die Tatsache, dass die SZ mit einem Produktionssystem vier Zeitungen herstellt. Allerdings sollten wir hierbei nicht nur an die Zeitungen denken. Auch für die anderen Bereiche, wie die Briefzustellung oder die Online-Bereiche, gelten die Vorteile des Unternehmensverbundes.
Läpple: Solange diese Synergien weiter ausgebaut und auch vermarktet werden können und die einzelnen Tochterfirmen der Saarbrücker Zeitung finanziell tragbar und zukunftsfähig sind, gibt es keinen Anlass für eine Restrukturierung. Die Euroscript-Gruppe in Luxemburg ist im Übrigen als wachstumsorientierte zweite Säule aus unserer Sicht unerlässlich für die Zukunft der Unternehmensgruppe.

Welche Veränderungen ergeben sich für die Leserinnen und Leser? Welche für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Warnking: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Leserinnen und Leser werden sich keine einschneidenden Veränderungen ergeben. Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Führungsmannschaft der SZ und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Weg zur Gestaltung eines innovativen, effizienten und erfolgreichen Medienhauses weiter umsetzen. Unsere Berater vom Bankhaus Metzler, von Mazars und McKinsey, die uns durch dieses Projekt begleitet haben, bestätigen die erreichten Erfolge, die Strategie des Hauses und die Potenziale der Unternehmensgruppe.

Wollen Sie dauerhaft eine Mehrheit halten?
Warnking: Wir bedauern das Ausscheiden der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck aus dem Gesellschafterkreis nach über 40 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit. Gleichzeitig danken wir der Verlagsgruppe von Holtzbrinck, dass sie in der Übertragung der Anteile an uns bemüht ist, die Kontinuität und den Bestand der Saarbrücker Zeitungsgruppe zu sichern.
Läpple: Es ist das Ziel der GSB, sicherzustellen, dass die Saarbrücker Zeitung ein im Saarland beheimatetes Unternehmen bleibt. Die Aufgabe der GSB kann aber nicht langfristig in der unternehmerischen und verlegerischen Führung der Saarbrücker Zeitung liegen. Wir streben an, nach dem Ausscheiden der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck einen neuen Gesellschafter zu finden, der die Rolle der Verlagsgruppe übernehmen kann.

Was müsste ein solcher Co-Investor oder Partner mitbringen?
Läpple: Die Saarbrücker Zeitung ist ein innovatives, anspruchsvolles Medienhaus. Wir sind der Überzeugung, dass die Unternehmensgruppe nur von einem verlegerisch erfahrenen, anspruchsvollen und unternehmerisch erfolgreichen Gesellschafter profitieren kann. Selbstverständlich erwarten wir ein langfristiges Engagement eines solchen Partners und den erkennbaren Willen, die regionalspezifischen Ausprägungen der einzelnen Zeitungstitel zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Warnking:  Die Erfolge der Saarbrücker Zeitungsgruppe in der Schaffung von Produktions- und Produktsynergien haben sich in der Branche herumgesprochen. Wir sind daher sehr zuversichtlich, dass wir einen geeigneten Partner aus dem Verlagswesen finden werden, der im Konsens mit den bisherigen Gesellschaftern die Zukunft der Saarbrücker Zeitung sicherstellen wird.

Sie schließen also reine Finanzinvestoren, die häufig als „Heuschrecken“ verschrien sind, aus?
Warnking:  Definitiv!

Ihre Familie war mehr als 40 Jahre an der Saarbrücker Zeitung beteiligt. Wie leicht fällt jetzt die Trennung? Was wünschen Sie der Unternehmensgruppe Saarbrücker Zeitung in der Zukunft?
von Holtzbrinck: Wir  hatten mit den Mitarbeitern und den Gesellschaftern jahrzehntelang ein ausnehmend gutes Verhältnis, wofür wir alle sehr dankbar sind. Dabei ist uns das Saarland mit seinen liebenswerten Eigen- und Besonderheiten wirklich ans Herz gewachsen. Die Titel der Saarbrücker Zeitungsgruppe, allesamt sehr stabil in der Auflage, lese ich zudem mit großem Vergnügen und Gewinn. Auch die Übersetzungsdienstleistungen der Euroscript sind vorbildlich im Wettbewerbsvergleich und wachsen daher stetig. Da fällt mir und meinen Kollegen in Stuttgart, die alle eine starke, auch emotionale Bindung an die Saarbrücker Zeitungsgruppe haben, der Abschied natürlich schwer, selbst wenn die grundsätzliche Entscheidung bereits seit längerem getroffen und erste Schritte seither gegangen wurden. Wir werden nun unser Engagement zum Wohle dieses Unternehmens mit Verantwortung und Freude ausüben, solange wir Gesellschafter sind.

Hintergrund
SZ-Gesellschafterstruktur
Gesellschafter der Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH sind die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH & Co.KG (52,33 Prozent), die Gesellschaft für Staatsbürgerliche Bildung Saar mbH (26 Prozent) und eine Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter der Saarbrücker Zeitung (15 Prozent). Die Saarbrücker Zeitung selbst hält 6,67 Prozent der Anteile.

Hintergrund
Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar mbH: Im Zuge der Re-Privatisierung der Saarbrücker Zeitung im Jahre 1969 wurden 26 Prozent der Anteile des Unternehmens an eine „rein saarländische“ Institution vergeben. Diese Anteile hält heute die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar mbH (GSB), früher Förderergesellschaft Saarbrücker Zeitung.
Aufgaben der GSB sind die Förderung von Wissenschaft, Kultur und Bildung, insbesondere der demokratischen, staatsbürgerlichen Bildung, der internationalen Zusammenarbeit und der europäischen Einigung. Innerhalb der Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH vertritt sie laut ihrer Satzung „in konfessioneller und politischer Neutralität“ die „Interessen des Saarlandes“. Gesellschafter der GSB sind die Union Stiftung (40 Prozent), die Demokratische Gesellschaft Saarland e.V. (40 Prozent) und die Villa Lessing – Liberale Stiftung Saar e.V. (20 Prozent). red

Hintergrund
Unternehmensgruppe Saarbrücker Zeitung:
Die Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH ist eine im Saarland ansässige Mediengruppe, die auch eine Mehrheitsbeteiligung an der Saarländischen Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH hält. Tochterunternehmen geben den „Pfälzischen Merkur“ (Zweibrücken), den „Trierischen Volksfreund“ und die „Lausitzer Rundschau“ (Cottbus) heraus.
Die Unternehmensgruppe ist auch im Bereich der Postdienstleistungen, Telefon- und Branchenbücher, Internet-Portale und IT-Dienstleistungen tätig. Das Tochterunternehmen Euroscript S.A. mit Sitz in Luxemburg gehört zu den zehn weltweit führenden Übersetzungs- und Dokumenten-Management-Dienstleistern.
Bei Unternehmen der Mediengruppe sind insgesamt rund 2700 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr über 330 Millionen Euro bei einer zweistelligen Umsatzrendite. red
Dateiname : sz
Dateigröße : 312.62 KBytes.
Datum : 29.05.2012 20:51
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