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Viele Hochschulabsolventen verlassen Deutschland
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Von SZ-Redaktionsmitglied Pascal Becher ,  04. Mai 2011, 16:03 Uhr
Deutschland gilt weltweit als Talentschmiede für Akademikernachwuchs. Dennoch gehen dem Land langsam die Absolventen aus. Warum? Andere Staaten locken sie mit besseren Arbeitsbedingungen, warnen Experten. Sie fordern, die Hürden für Bildungsmigranten schnell zu senken. Immer mehr Hochschulabsolventen drehen der Bundesrepublik den Rücken zu. Professor Klaus J. Bade, Migrationsforscher aus Berlin, erklärt der Saarbrücker Zeitung , welche Folgen diese Entwicklung für Deutschland haben kann.
Saarbrücken/Berlin. Viele kluge Köpfe verlassen Deutschland. Fast jeder zweite Auswanderer hat ein Hochschulzeugnis im Gepäck. Gleichzeitig wählen zu wenige Akademiker anderer Nationen Deutschland als ihren neuen Arbeitsplatz. In nur wenigen Jahren werden der Republik deshalb Hunderttausende Ingenieure, Ärzte, Informatiker fehlen. Die Wirtschaft warnt vor einem Kollaps. „Braindrain“ nennen Wissenschaftler diesen Prozess.

Doch weshalb driften („drain“) die Gehirne („brain“) aus dem Land der Dichter und Denker? „Die Bundesrepublik ist einfach zu unattraktiv für sie“, sagt der Berliner Migrationsforscher Professor Klaus J. Bade. „Abgewanderte Mediziner zum Beispiel nennen als Gründe nicht leistungsgerechtes Einkommen, mitunter extreme Stressbelastung, steile Kommandostrukturen in Krankenhäusern und dass sie in Deutschland fast so viel als Verwaltungsangestellte wie als Ärzte tätig gewesen seien.“ Anders ist das beispielsweise in der Schweiz, wo inzwischen zehn Prozent der 28 000 Ärzte deutsche Staatsangehörige sind. Die meisten Akademiker aus Deutschland zieht es aus ähnlichen Gründen außer in den Kantonsstaat nach Österreich, Großbritannien und die USA.

Doch warum reißen sich andere Länder um Absolventen „Made in Germany“? Deutschland gilt nach den USA, China und Indien global als eine der „Talentschmieden“ der Zukunft. Viele ziehe es deswegen auch hierher zum Studium, so Bade. Allein an der Saar-Universität kam im Wintersemester 2010/11 jeder achte Student (2850) aus dem Ausland, sagt Wolfgang Heintz vom Akademischen Auslandsamt der Hochschule. Insgesamt scheint das Saarland im Bereich Internationalität überdurchschnittlich gut zu sein. 13,1 Prozent der Hochschulabsolventen kommen aus dem Ausland. Bundesweit sind es nur 8,1 Prozent.

Doch was macht den deutschen Arbeitsmarkt so unattraktiv für hochqualifizierte Mirganten? „Ein Hochschulabsolvent aus einem Nicht-EU-Land hat nach dem Abschluss lediglich ein Jahr Zeit, einen Job zu finden, und zwar nur in einem Bereich, den er studiert hat. Zusätzlich muss er ein Einstiegsgehalt von rund 66 000 Euro bekommen“, skizziert Moha Sandoughdaran, Referent für Ausländer des Allgemeinen Studentenausschusses, die aktuellen Rahmenbedingungen für ausländische Absolventen. „Das ist nicht zu schaffen“, findet er. Das sei noch „ein Rest der alten Abschottungspolitik“, sagt Bade schärfer. Die Bundesregierung hatte lange Sorge davor, dass die Bevölkerung von ausländischen Akademikern eher einen Verdrängungswettbewerb erwarten könnte. „Das stimmt heute nicht mehr“, sagt Bade. Nach den Umfragen des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration würden 60 Prozent der Deutschen es begrüßen, wenn mehr Hochqualifizierte aus dem Ausland hier arbeiten würden.

Doch wie will die Republik das schaffen? „Wir müssen attraktiver für Akademiker aus dem Ausland und aus Deutschland werden“, sagt der saarländische Wissenschaftsminister Christoph Hartmann. Fachkräfte aus dem Ausland sollten ein Jahr Zeit bekommen, sich hier einen Job zu suchen, außerdem sollte das vom Staat geforderte Mindestgehalt beim Einstieg auf 35 000 bis 40 000 Euro gesenkt werden. Doch ohne finanzielle Anreize würden die Akademiker nicht im Land bleiben, erklärt Hartmann. „Wir müssen auch das Steuersystem für sie verbessern, so dass sie mehr Netto vom Brutto haben.“

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