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Attentat auf Saarbrücker Wehrmachtsausstellung wird neu untersucht
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Von SZ-Redakteur Michael Jungmann,  05. Dezember 2011, 04:44 Uhr
Der ungeklärte Bombenanschlag von 1999 auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken wird neu untersucht. Dies hat Generalstaatsanwalt Sahm veranlasst. Eventuell führt eine Spur zu der Zwickauer-Terrorzelle.

Saarbrücken/Völklingen. Ralf-Dieter Sahm, Generalstaatsanwalt des Saarlandes, ist ein gefragter Mann. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), der mutig und forsch eine Brücke konstruierte zwischen den ungeklärten Brandstiftungen auf Häuser von Migranten in Völklingen und der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle „NSU“ (Nationalsozialistischer Untergrund), schlugen am Wochenende die Wogen hoch. Völklingen geriet bundesweit in die Medien, und Sahm erklärte immer wieder, er habe die Verbindung zwischen den Bränden und der Terrorzelle so nicht festgestellt: „Bei den Brandanschlägen in Völklingen verfolgt die Staatsanwaltschaft keine Spur, die nach Zwickau führt!“ Es gebe vielmehr die „kriminalistische Hypothese“, also eine Vermutung, dass möglicherweise ein rechtsextremistischer Hintergrund existieren könnte. Die Polizei sah dies bislang anders. Sahm hatte nach einem SZ-Bericht über die elf Brände sämtliche Akten angefordert.

Nach SZ-Informationen werden Landeskriminalamt, Landespolizeidirektion und Staatsanwaltschaft heute eine gemeinsame Ermittlungsgruppe installieren, die alle Fälle erneut auf den Prüfstand stellt. So soll geklärt werden, ob die Polizei Fehler gemacht hat, Spuren übersehen wurden. Die Sonderermittler sollen in Abstimmung mit dem Generalbundesanwalt und der Sonderkommission (Soko) „Trio“ des Bundeskriminalamtes (BKA) arbeiten.
Die BKA-Fahnder verfolgen bereits eine Spur aus dem Saarland. An die Völklinger Selimiye Moschee war eine Bekenner-DVD adressiert, die die Thüringer Neonazis an verschiedene Organisationen und Medien geschickt hatten. Ünal Subasi, Vorsitzender des Trägervereins der Moschee, bestätigte, dass diese DVD „vor ein bis zwei Wochen“ unfrankiert im Briefkasten lag. Er habe, wie vom Dachverband der Moscheen empfohlen, die anonyme Sendung nicht geöffnet und „ein oder zwei Tage später“ einem Saarbrücker Anwalt übergeben. Der schaltete wohl die Polizei ein. Das LKA Saar wurde am 28. November informiert und schickte die DVD als Spurenträger zur Soko „Trio“ des BKA. Zwischenzeitlich steht fest, dass es sich um eine Kopie des Bekenner-Videos zu den Morden der Zwickauer Neonazis handelt. Während Subasi meinte, die DVD sei von jemandem in den Briefkasten geworfen worden, was auf einen Boten oder Helfershelfer der Zelle im Saarland deuten könnte, heißt es in Polizeikreisen, die DVD sei per Post gekommen.
Von „einer Spur, die nach Zwickau führen könnte“, also zu dem Trio um die inhaftierte Beate Zschäpe und ihre verstorbenen Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, spricht Saar-Chefermittler Sahm jedoch bei dem ungeklärten Bombenanschlag vom 9. März 1999 auf die Wehrmachtsausstellung im Saarbrücker VHS-Gebäude. Sahm hat auch diese alten Akten wieder neu analysiert und prompt die Wiederaufnahme der Ermittlungen angeordnet. Ein SR-Journalist, der am Morgen nach dem Anschlag auf dem Parkplatz vor der Schlosskirche zwei Männer und eine unauffällige, dunkelhaarige Frau im Alter von 20-25 Jahren gesehen hatte, die sich über den Schaden sichtlich gefreut hätten, soll erneut vernommen werden. Die Beschreibung passe möglicherweise auf Zschäpe, die damals 24 war. Der SR-Mitarbeiter bestätigte gegenüber unserer Zeitung seine frühere Aussage. Ihm seien von der Polizei Aktenordner mit Fotos vorgelegt worden. Er habe niemanden erkannt. Heute, zwölfeinhalb Jahre später, könne er aber keine seriöse Angaben mehr dazu machen. Sahm verweist auch auf Droh- und Bekennerschreiben, die 1999 bei Medien eingingen. Die Briefe stammten nicht aus dem Saarland, eine Abkürzung („O.U.“) lasse den Schluss zu, dass die Absender aus Ostdeutschland kommen. Weiterer Ansatz: In einem Schreiben heiße es, die „Kölner Kameraden warten auf euch“. Die Explosion einer Nagelbombe im Jahr 2004 werde dem Zwickauer Trio zugeordnet. Sahm: „Wir haben diese Spur, die nach Zwickau führen könnte, aufgenommen, mit dem Ziel, die Ermittlungen bald an den Generalbundesanwalt abzugeben.“

Hintergrund
Die Wehrmachtsausstellung – kaum eine andere Ausstellung löste in Deutschland derart heftige Kontroversen aus. Sie wurde vom Hamburger Institut für Sozialforschung 1995 zum 50. Jahrestag des Kriegsendes erstellt und trug den Titel „Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944“. Sie räumte unter anderem mit dem Mythos der „sauberen Wehrmacht“ in Hitlers Russland-Feldzug auf. Die Ausstellung wurde von 1995 bis 1999 in 34 Städten gezeigt, vom 21. Februar bis 28. März 1999 auch im VHS-Zentrum in Saarbrücken: Dort beschädigte ein Bombenanschlag am 9. März Gebäude und Exponate. Dennoch wurde die Ausstellung am 14. März wiedereröffnet. Die Glaubwürdigkeit der Ausstellung war erschüttert, als Historiker auf Fehler bei der Zuordnung mehrerer Fotos hinwiesen. Aufgrund der Kritik ließ das Institut die Ausstellung überarbeiten. Die Neufassung wurde vom 27. November 2001 bis 31. März 2004 an elf Orten gezeigt. ine

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