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Studie: Autofahrer zahlen 100 Millionen Euro zu viel für Sprit
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Von Hagen Strauß,  21. März 2012, 04:22 Uhr
Neue Studie der Grünen wirft der Mineralölwirtschaft Abzocke an der Tankstelle vor - Kartellamt soll mehr Rechte erhalten.


 
Saarbrücken/Berlin. Seit Monaten verharren die Benzinpreise auf Rekordniveau - zu Recht oder zu Unrecht? Die Debatte über eine mögliche Abzocke an der Tankstelle erhält jetzt neue Nahrung: Laut einer aktuellen Studie der Grünen-Bundestagsfraktion werden die Autofahrer beim Spritkauf um knapp 100 Millionen Euro pro Monat geprellt.

Die Mineralölwirtschaft habe im Windschatten steigender Rohölpreise und der Irankrise "ihre Margen auf Kosten der Tankstellenkunden" erhöht, heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Gutachten, das die Grünen beim Hamburger Experten für Energiemärkte und Energierohstoffpreise, Steffen Bukold, in Auftrag gegeben hatten. Für seine umfangreichen Berechnungen setzte er die Entwicklung des Ölpreises und des Euro mit den Spritpreisen an der Tankstelle ins Verhältnis.

Demnach habe es in den letzten drei Monaten einen Preisanstieg beim Superbenzin um 11,3 Cent pro Liter gegeben, aber nur 6,6 Cent pro Liter lassen sich laut Analyse "durch höhere Rohölpreise oder einen veränderten Wechselkurs Euro/Dollar erklären". Fazit des Experten: Die Konzerne hätten 4,7 Cent zusätzlich auf den Literpreis aufgeschlagen. Bei einem monatlichen Absatz von 2,1 Milliarden Liter Superbenzin in Deutschland "ergibt sich daraus eine finanzielle Mehrbelastung der Tankstellenkunden von 98 Millionen Euro pro Monat". Beim Diesel würden die Gewinnmargen bereits seit letztem Jahr auf einem "vergleichsweise hohen Niveau" von 22 Cent je Liter liegen.

Die Erklärung von Branchenvertretern, der Anstieg der Spritkosten sei den höheren Ölpreisen und einem schwachen Euro geschuldet, ist laut Gutachten nicht haltbar. Auch das Bundeskartellamt habe schließlich im vergangenen Jahr den mangelnden Wettbewerb auf dem deutschen Kraftstoffmarkt beklagt. "In einem Markt mit hohem Wettbewerbsdruck wäre zu erwarten, dass steil steigende Einkaufspreise zunächst zu einer Einengung der Margen führen, also nicht problemlos 1:1 auf dem Markt durchgesetzt werden können", heißt es in der Analyse. Der Mineralölbranche sei es jedoch gelungen, "nicht nur die steigenden Rohstoffkosten in vollem Umfang weiterzugeben, sondern auch die Margen auszuweiten".

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, kritisierte, dass das Kartellamt nicht die gesetzlichen Möglichkeiten habe, "um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen. Deswegen müssen die Rechte des Kartellamtes umgehend gestärkt werden. Wir haben keinen funktionierenden Wettbewerb bei den Tankstellen". Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn sprach von "ungerechtfertigten Gewinnmitnahmen auf Kosten der Verbraucher. Deswegen wollen wir mit dieser Studie auch den Mineralölkonzernen auf die Finger klopfen". Der Kern des Problems bleibe gleichwohl die zunehmende Verknappung des Erdöls. "Als Volkswirtschaft muss man schnellstmöglich die Weichen stellen, um unabhängig vom Öl zu werden", forderte Höhn.

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