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Tierschützer kritisieren Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen, Enten und Wildschweinen





Saarbrücken
Tierschützer kritisieren Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen, Enten und Wildschweinen
Von SZ-Redakteurin Nora Ernst,  22. November 2013, 18:42 Uhr
Tierschützer fordern ein Verbot der Jagdhund-Ausbildung an lebenden Tieren. Zu Zeiten der Jamaika- Koalition war das geplant – das Saarland wurde von Tierschützern als deutschlandweiter Vorreiter gefeiert. Wie die jetzige Landesregierung entscheiden wird, ist offen.
Der Deutsche Tierschutzbund Saar fordert ein Verbot der Jagdhund-Ausbildung an lebenden Tieren – insbesondere sogenannte Schliefanlagen stehen in der Kritik. Dabei handelt es sich um künstliche Fuchsbauten, in denen der Hund einen lebenden Fuchs aufspüren muss, der durch einen Schieber von ihm getrennt ist. „Die Füchse werden dabei erheblich gequält“, sagt Werner Kirsch, Landesvorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes, – in seinen Augen ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Landesjägermeister Daniel Hoffmann sieht das anders: „Für den Fuchs ist das eine nette Abwechslung zum Gehege- Dasein.“ Untersuchungen hätten ergeben, dass das Tier dabei nicht unter Stress stehe.

„Die Herzfrequenz ist nicht höher als bei normaler Bewegung“, betont Hoffmann. Um der seit langem andauernden Kritik von Tierschützern entgegenzutreten, hat der Deutsche Jagdverband unter Mitwirkung von Hoffmann ein Video ins Netz gestellt, das die Schliefanlagen erklärt. Laut Tierschutzbund reine Augenwischerei: Das Video bestehe hauptsächlich aus Statements der Jägerschaft, Szenen der tatsächlichen Ausbildungspraxis seien „wohl mit gutem Grund“ kaum zu sehen.

Wie aus einer Anfrage der Grünen-Fraktion an die Landesregierung von Anfang Oktober hervorgeht, gibt es im Saarland eine mobile Schliefanlage. Sie befindet sich in einem ehemaligen Munitionsdepot im Warndt. Die Füchse, die dort zum Einsatz kommen, werden in einem Tierpark der Region gehalten. Ginge es nach dem Tierschutzbund, müsste auch das Training mit flugunfähigen Enten abgeschafft werden. Dabei wird der Flügel der Ente mit einer Papiermanschette fixiert, sodass sie nicht fortfliegen kann. Nach zehn Minuten im Wasser löst sich die Manschette auf. Gelingt es dem Hund, die Ente innerhalb dieser Zeit aufzuspüren, wird sie geschossen.

„Eine grausame Art, mit Tieren umzugehen“, sagt Kirsch. Hoffmann verweist darauf, dass pro Hund in der Ausbildung nur drei Enten verwendet werden dürfen. Kirsch plädiert für die Ausbildung mit Attrappen und fordert, das saarländische Jagdgesetz dahingehend zu novellieren. Doch Hoffmann zufolge ist das Üben an lebenden Tieren von größter Bedeutung: „Nur so kann man sicher sein, dass der Jagdhund brauchbar ist.“ Die Ausbildung im Saugatter mit lebenden Wildschweinen sei sogar „eine Lebensversicherung“ für den Hund. Zu Zeiten der Jamaika-Koalition sah es so aus, als würden die Forderungen des Tierschutzbundes erfüllt.

Die Regierung plante, neben der Jagdhund- Ausbildung an lebenden Tieren auch die Bau- und Fangjagd zu verbieten. Für diesen Vorstoß wurde das Saarland von Tierschützern schon als Vorbild gefeiert, wäre es doch bundesweit das erste Land mit einem so weitreichenden Jagdgesetz gewesen. Doch mit dem Scheitern der Jamaika-Koalition war auch die Erneuerung des Jagdgesetzes vorerst vom Tisch. Die jetzige Koalition arbeitet an einer Novellierung, allerdings wird sie dabei wohl nicht so weit gehen wie ihre Vorgänger- Regierung. CDU- und SPDFraktion beraten derzeit über die Details. Das neue Gesetz soll spätestens zu Beginn des Jagdjahres im April 2014 verabschiedet sein.

Magnus Jung, jagdpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu Einzelheiten äußern, betont jedoch: „Brauchbare Jagdhunde sind für die Sicherheit des Jägers und die tierschutzgerechte Ausübung der Jagd zwingend erforderlich.“ Vor allem, um zu verhindern, dass angeschossenes Wild vom Hund nicht gefunden wird und qualvoll verendet. Günter Heinrich, jagdpolitischer Sprecher der CDUFraktion, wird deutlicher: „Meine persönliche Meinung ist, dass das Üben an lebenden Tieren durchaus tierschutzkonform ist.“

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