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Vorschläge von Peter Hartz zur Belebung des Arbeitsmarktes werden in Frankreich ausführlich diskutiert





Paris/Saarbrücken
Vorschläge von Peter Hartz zur Belebung des Arbeitsmarktes werden in Frankreich ausführlich diskutiert
Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia,  28. Januar 2014, 05:03 Uhr
Frankreich will seine Wirtschaft wieder an die europäische Spitze bringen – nach deutschem Vorbild. Um dies zu erreichen, soll der Arbeitsmarkt reformiert werden. Als Vorbild dienen Ideen des Saarländers Peter Hartz.

Der ehemalige VW-Vorstand Peter Hartz berät offenbar auch die französische Regierung bei Arbeitsmarkt-Reformen. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung wurde Hartz, mit dessen Namen die Reformen der Agenda 2010 unter Kanzler Gerhard Schröder verbunden sind, dazu sogar schon im Elysée-Palast empfangen.

Der Saarländer Hartz, der nach seinem Abschied bei VW mit seiner privaten Firma Arbeitsmarkt-Projekte anstößt, bestätigte Kontakte zur einflussreichen Denkfabrik „En Temps Réel“. Über ein angebliches Gespräch mit Staatspräsident François Hollande wollte er aber keine Auskunft geben.

Hartz war 2002 bekannt geworden, nachdem ihn Kanzler Schröder beauftragt hatte, mit einer Kommission Arbeitsmarkt-Reformen zu erarbeiten. Hollande hatte vor Wochenfrist ebenfalls tiefgreifende Reformen in Frankreich angekündigt.


 

Berät Peter Hartz nun auch Hollande bei Sozialreformen?

Frankreichs Wirtschaft dümpelt vor sich hin und bringt den Staatspräsidenten François Hollande mit seiner Regierung in arge Bedrängnis. Neidvoll geht da der Blick nach Deutschland, das inzwischen europaweit die Spitzenstellung einnimmt. Wie haben die das gemacht? Darüber diskutieren die französischen Medien seit Längerem heftig. Und lenken die Aufmerksamkeit immer gezielter auf einen Namen: Peter Hartz. Schon werden dem Saarländer persönliche Kontakte zum Staatspräsidenten nachgesagt. Hartz selbst äußert sich nicht dazu.

Die Welle mit ins Rollen gebracht hat eine Analyse im Nachrichtenmagazin „Le Point“, dem französischen Pendant zum „Spiegel“, vom 13. September 2013. Unter der Überschrift „Allemagne; non, les lois Hartz n’ont pas fait exploser la pauvreté“. Übersetzt: „Nein! Die Hartz-Reformen haben in Deutschland nicht die Armut explodieren lassen“. In dem Artikel gelangt der Ökonom Alain Fabre zu dem Schluss, dass die Hartz-Reformen in einer Kombination aus Anreizen zur Arbeitsaufnahme, einer gezielteren Betreuung der Betroffenen und einer moderaten Lohnentwicklung der deutschen Wirtschaft wieder zu größerem Wachstum verholfen habe. Gleichzeitig sei der Arbeitsmarkt angekurbelt worden. Fabre arbeitet für das „Institut de l’entreprise“, eine Denkfabrik, die von großen französischen Unternehmen getragen und finanziert wird.

Die Arbeitsmarkt-Reformen des Saarländers Peter Hartz werden auch in anderen Medien und renommierten Stellen im Machtzentrum der Franzosen ausführlich diskutiert. So hat der Wirtschafts-Journalist Eric Le Bache im Radiosender Europe 1 bereits am 31. Mai 2013 die Hartz-Reformen besprochen. Dabei ging er auch auf seine jüngsten Vorstellungen ein, die sich damit befassen, wie man die Jugendarbeitslosigkeit in Europa mit Hilfe der EU in Brüssel und den Nationalstaaten besser lösen kann. Ein Thema mit höchster Brisanz für Brüssel und alle Mitgliedstaaten. Hartz selbst plant dazu im Sommer einen großen Kongress in Saarbrücken.

Auch seine Ideen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat er unter dem Motto „Für eine Arbeitsmarkt-Reform in Europa“ schon in Paris vorgestellt – als Gast der mit Spitzen- Entscheidern besetzten Denkfabrik „En Temps Réel“. Veröffentlicht wurden sie im Januar auf der Internet-Seite www.entempsréel.com in einem 60-seitigen „Cahier 53“. Darin findet sich auch ein Hinweis auf ein Treffen im Élysée- Palast vom 12. November 2013. Dort seien Weichen auch im Sinne der von Hartz vorgeschlagenen Reformen gestellt worden. Kaum vorstellbar, dass sich der Chef der „Grande Nation“ ausgerechnet auf einen Deutschen und seine Reformvorschläge einlässt, ohne ihn auch persönlich zu kennen.


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