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Zahl der Beschäftigten mit zusätzlichem Minijob hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt





Berlin
Zahl der Beschäftigten mit zusätzlichem Minijob hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt
Von SZ-Korrespondent Stefan Vetter,  05. Oktober 2012, 09:47 Uhr
Jeder elfte Arbeitnehmer mit einer sozialversicherungspflichtigen Stelle stockt seinen Einkommen noch mit einem Minijob auf. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor.
Berlin. Am Tag im Büro und abends kellnern: Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland verdienen sich neben ihrer Hauptbeschäftigung noch etwas hinzu. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ging im Vorjahr bereits jeder elfte Beschäftigte (neun Prozent) mit einer sozialversicherungspflichtigen Stelle zusätzlich mindestens einem Minijob nach. Im Jahr 2003 war es erst jeder 23. Arbeitnehmer (4,3 Prozent).

Damals verfügten knapp 1,2 Millionen Beschäftigte über ein zweites Arbeitsverhältnis. Ende des Vorjahres waren es schon 2,6 Millionen. Allein seit 2010 ist die Zahl der Menschen mit Zweitjob um rund 135 000 gestiegen. Das entsprach einem Zuwachs von 5,7 Prozent. Dabei sind die so genannten geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnisse im Nebenjob eine Domäne der Frauen. Ende 2011 gingen rund 1,5 Millionen von ihnen einem Zweitjob auf 400-Euro-Basis nach. Unter den Männern waren es gut 1,1 Millionen. Am häufigsten sind Beschäftigte mit Zweitjobs im Handelssektor anzutreffen. Hier waren zum Ende des Vorjahres allein 424 000 Zweitjobber registriert. Im Gastgewerbe waren 289 000 Zweitjobber tätig.

„Dass immer mehr Beschäftigte neben ihrer Haupttätigkeit einem Zweitjob nachgehen, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist und das Geld aus einem Job nicht mehr ausreicht“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, unserer Zeitung. Das Vollarbeitsverhältnis, aus dem man sein Leben bestreiten könne, werde immer weiter zurückgedrängt. Zimmermanns Befund lässt sich aber durch die Tatsache abschwächen, dass gerade in Wachstumsregionen überdurchschnittlich viele Menschen einen Zweitjob haben. So lag ihr Anteil gemessen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ende 2011 in Baden-Württemberg bei 11,4 Prozent, im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern dagegen bei nur 4,7 Prozent. Auffällig ist auch, dass die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten seit 2007 nahezu konstant geblieben ist. Damals waren es gut 4,8 Millionen. Jetzt sind es rund 80 000 weniger. Nach einer früheren Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) kann höchstens aus der Kombination mehrerer Mini-Jobs auf eine schwierige soziale Lage der Betroffenen geschlossen werden.

„Der größere Teil der Beschäftigten mit Zweitjobs sind durchaus qualifizierte Leute mit gutem Einkommen, die sich noch etwas dazu verdienen“, meinte die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer. Sie sieht ein Problem jenseits der Armutsdiskussion: Menschen, die in ihrem Betrieb Überstunden machten, müssten dafür alle Lohnnebenkosten einschließlich Steuern zahlen. Wer dagegen noch einen Minijob habe, brauche das nicht, erläuterte Pothmer. Das sei „extrem unfair gegenüber der Versichertengemeinschaft“. Daher müssten Mini-Jobs unattraktiver gemacht werden. Dies lasse sich zum Beispiel durch eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro erreichen, so Pothmer.

Dagegen will die Bundesregierung die Mini-Jobs ausbauen: Die Verdienstgrenze, bis zu der Arbeitnehmer beitrags- und steuerfrei verdienen können, soll um 50 auf 450 Euro angehoben werden.


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