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Landesregierung beteiligt sich mit 250 000 Euro an Bergbau-Ausstellung
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Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus,  07. Dezember 2011, 19:04 Uhr
Das Redener Zechenhaus wird zum Bergbau-Erinnerungsort. In der Waschkaue soll im Herbst 2012 eine dauerhafte Ausstellung zu 200 Jahren Bergbau an der Saar eingerichtet werden, die sich ständig erneuert.
Saarbrücken. Wenn der Bergbau 2012 endet, muss etwas bleiben. Doch die gestern vorgestellte Dauer-Ausstellung soll keine Konkurrenzveranstaltung für authentische Gruben-Orte wie Velsen, Bexbach oder das Carreau Wendel (Stiring-Wendel) werden. Dafür sorgt der Anspruch der Ministerpräsidentin: Die Schau, die ihren Standort im denkmalgeschützten Redener Zechenhaus und dort in der 1300 Quadratmeter großen Waschkaue haben soll, darf keine museale Anmutung haben und muss den Stempel der Originalität tragen. Wie einst die „Prometheus“-Schau im Völklinger Weltkulturerbe. Deren Bildstärke, Unkompliziertheit und Massenwirksamkeit hat sich Projektleiter Reinhard Klimmt (SPD) zum Maßstab gesetzt, wie er gestern vor der Landespressekonferenz verdeutlichte. Ein Anknüpfen an alte Erfolge? Damals, 1998/1999, war Klimmt Ministerpräsident, zugleich Vater und Motor für das sensationell gut besuchte „Prometheus“-Groß-Ereignis: rund 196 000 Menschen kamen.

Gestern sagte Klimmt: „Wir werden in Reden keine Anhäufung von Exponaten in Vitrinen liefern.“ Im Mittelpunkt stünde die mentalitätsgeschichtliche Frage, wie der Bergbau das Zusammenleben der Menschen und deren Wertvorstellungen geprägt habe. Für Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ist wichtig, dass weder eine folkloristische noch eine verklärende Sicht gewählt wird: „Zur Erinnerungskultur gehören auch die Belastungen, etwa die der Bergbaugeschädigten.“ Man werde mit Zeitzeugen arbeiten, Gewerkschaften und Vereine miteinbeziehen.

Die Ministerpräsidentin erläuterte gestern Details des Vorhabens, das ein Experten-Beirat unter Klimmt begleiten soll (die SZ berichtete bereits). Nicht nur bis zum Herbst 2012, wenn der erste Teil der Schau gezeigt wird, sondern dauerhaft. Denn die Ausstellung wird sich in Themen-Modulen erweitern und dadurch ständig wandeln. 1,25 Mio. Euro aus dem Sondervermögen „Zukunftsinitiative II“ sind für den Start 2012 vorgesehen. Planung, Konzeption und Organisation übernimmt die Industriekultur Saar GmbH. Als Kurator wurde der Wuppertaler Professor Jürg Steiner (Kommunikationsdesign) engagiert, der sich durch inszenierte Ausstellungen in Industrie-Hallen einen Namen gemacht hat, unter anderem mit „Feuer und Flamme“ (Gasometer Oberhausen, 1994) oder mit „Sonne, Mond und Sterne“ (Zollverein Essen, 1999).

Die Ministerpräsidentin hält Reden, das sich zu einem Freizeit-Standort wandelt, für den richtigen Standort. Sie möchte, dass dort zukünftig möglichst alle Schüler einen attraktiven Lernort zum Thema Bergbau finden. Und nicht nur die.

Meinung

Klimaerwärmung

Das Erbe des Bergbaus sind nicht nur Fördertürme oder Flächen. Insofern war die bisherige Anbindung des Themas im Wirtschaftsministerium eine Fehlkonstruktion. Ob sich die neue, recht aufgeblähte Struktur mit Beirat, Lenkungskreis und IKS-Geschäftsführung bewährt, wird sich weisen. Pünktlich zum Bergbau-Ende wird sowieso nichts mehr von all dem fertig, was kulturell wünschenswert wäre.

Die Ursache? Vertrödelungen der Vergangenheit. Sie zeigen, wie lässlich man in der Staatskanzlei und im Kulturministerium bisher mit dem Thema umging. Die neue Ministerpräsidentin hat einen besseren, einen emotionalen Zugang dazu. Das ist ein Riesen-Fortschritt, ein wärmender Klima-Wandel. Kramp-Karrenbauers Mitfinanzierung der Landmarke lässt sich jedoch kritisch sehen. Denn gilt nicht: „Wer bestellt, zahlt“? Das war die RAG, nicht der Steuerzahler. ce


Landesregierung beteiligt sich an der RAG-Landmarke

Saarbrücken. Die weithin sichtbare Landmarke auf der Halde Duhamel in Ensdorf sollte zur Mettenschicht am 30. Juni 2012 stehen – als ein Symbol des Abschieds und des Aufbruchs. Sie war eine RAG-„Erfindung“, sollte ein Geschenk der Ruhrkohle AG an die Saarländer sein, 500 000 Euro schwer. Ein Förderverein wurde gegründet, ein Ideenwettbewerb gestartet. Berliner Architekten machten das Rennen. Doch nun muss doch der Steuerzahler mitzahlen. Gestern erklärte die Ministerpräsidentin, dass sich das Land – anders als bisher verkündet – doch an der Finanzierung des Bergbau-Wahrzeichens beteiligen wird, mit 250 000 Euro.

Den Kurswechsel begründete Annegret Kramp-Karrenbauer gegenüber der SZ wie folgt: „Ich hielt es nicht für sinnvoll und angemessen, eine Ära von 250 Jahren Kohleförderung an der Saar in einem Finanz-Streit enden und ein wichtiges Projekt daran scheitern zu lassen.“ Es sei ihr um Befriedung gegangen. Auch werde sie im Gegenzug um eine Beteiligung der RAG an der Bergbau-Schau verhandeln.

Bekanntlich hatte sich Kramp-Karrenbauers Vorgänger Peter Müller (CDU) dem RAG-Wunsch einer Mit-Finanzierung der Landmarke strikt verweigert. Doch obwohl der Weg zur Realisierung nun frei ist, kann der Zeitplan nicht eingehalten werden. Laut Kramp-Karrenbauer wird die Landmarke nicht pünktlich zur Mettenschicht fertig. ce



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