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Mit viel Fingerspitzengefühl

Fast hundert Mitarbeiter kümmern sich bei Ford in Saarlouis um Spezialaufträge.

Von Joachim Wollschläger

  Die Mitarbeiter sind im Schnitt 56 Jahre alt. Fast alle spüren Einschränkungen. Rückenprobleme, Bypass-Operationen oder Sehnenbeschwerden. Böse Zungen könnten behaupten, die FCSD-Halle wäre das Altersheim des Saarlouiser Werks. Doch zum alten Eisen gehört hier keiner. Denn „wer hier arbeitet, muss viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl mitbringen“, erläutert Michael Zeimet. Zeimet ist Produktionsmeister in der Halle, deren Kürzel ausgeschrieben „Ford Customer Service Division“ bedeutet. In Zeimets Halle werden all die Arbeiten erledigt, die am Band angesichts der kurzen Takt- Zeiten nicht ausgeführt werden können. Dazu gehört beispielsweise die Montage von Anhängerkupplungen, die Umrüstung auf einen Gasantrieb, aber auch die komplette Montage der Sonderausstattung des Renn-Focus RS 500. „Die Montage einer Anhängerkupplung ist ein sehr komplexer Prozess“, sagt Zeimet. „Alleine für die Montage der Elektrik bräuchte man am Fließband 20 Stationen.“

Einerseits sind es die kurzen Taktzeiten von rund 35 Sekunden pro Fahrzeug, die komplexe Montagen unmöglich machen, andererseits sind für manche Prozesse auch besondere Fähigkeiten gefragt. „Ein Fahrzeug mit Rallye-Streifen zu bekleben, dauert ein bis eineinhalb Stunden. Wenn Sie dann einen Fehler machen, muss alles noch einmal neu gemacht werden“, sagt Zeimet. Deshalb sei es in der FCSD-Halle besonders wichtig, Mitarbeiter mit großer Berufserfahrung zu haben.

Der 60-jährige Alain Nemorin ist solch ein Mitarbeiter. Nemorin, der wegen seiner Arthrose den Takt am Motorband nicht mehr geschafft hat, arbeitet seit drei Jahren in der FCSD-Halle. Er montiert unter anderem die Sonderausstattung des RS 500. Auch hier gibt es klare Zeitvorgaben, wie lange ein Prozess zu dauern hat – doch jeder Mitarbeiter hat seine eigene Arbeitsstation und kann sich die Abläufe selbst einteilen. Nemorin ist mit der eigenständigen Arbeitsweise hoch zufrieden: „Hätte ich gewusst, wie ich hier arbeiten kann, hätte ich keine Altersteilzeit gemacht“, sagt er.

Die Arbeitsplätze in der FCSD-Halle sind hoch begehrt. Rund 250 Bewerber gibt es für die insgesamt 94 Arbeitsplätze. Angesichts des hohen Durchschnittsalters gibt es allerdings auch eine hohe Fluktuation. In diesem Jahr scheiden neun Mitarbeiter aus. Wer neu in die Halle kommt, muss sich erst einmal einer Testphase unterziehen. „Das ist schon eine Umstellung. Die Arbeit an der Linie ist bequemer, weil man nicht so flexibel sein muss. Wir sind universaler“, sagt Zeimet. Es hätte durchaus schon Bewerber gegeben, die nach einer Testphase wieder an die Linie zurück wollten.

Insgesamt sei es aber gerade die Eigenverantwortung, die das Arbeiten in der FCSD-Halle so attraktiv macht. „Wir können hier unsere Prozesse selber gestalten“, sagt Anne Imschweiler, die seit Juli 2009 als Prozessingenieurin in der Halle arbeitet und mit ihren 25 Jahren den Durchschnitt deutlich drückt.

Seit 2005 gibt es die Halle bereits. Mit nur 25 Mitarbeitern auf einer Schicht gestartet, ging schon bald der Drei-Schicht-Betrieb los. Hintergrund war es auch, Arbeiten wieder ins Werk zurückzuholen, die sonst beim Händler ausgeführt wurden. Anfangs haben die Mitarbeiter in der Halle unter anderem Anhänger-Kupplungen, Trenn-Netze für den C-Max und Design-Sets montiert, später kamen immer neue Aufgaben dazu. „Dabei gilt: Was an der Linie gemacht werden kann, soll auch dort gemacht werden“, sagt Hubert Bachmann, Superintendent in der Halle. Seit einem Jahr ist die Sonderausstattung des Focus RS eine Kerntätigkeit der Montage-Spezialisten. Weil der Front-Stoßfänger so tief ist, dass er in der Linie nicht durch das System passt, das Auto aber auch nicht ohne Stoßfänger von der Linienproduktion rollen darf, hat das FCSDTeam extra einen Dummy-Bumper entwickelt, der am Fließband montiert und später in der FCSD-Halle durch den richtigen Stoßfänger ersetzt wird.

Diese Montage gehört unter anderem zu den Tätigkeiten von Joseph Vieira, der seit 2004 in der Halle arbeitet. Wegen seiner Sehnenprobleme kann er bestimmte Bewegungen nur noch mit Einschränkungen ausführen. Bei der Montage der Front- und Seiten-Schweller sowie der Heckschürzen allerdings sind diese Bewegungen nicht gefragt. Dafür aber ein genaues Augenmaß bei dem millimetergenauen Anpassen der Aufbauten. Hier zahlt sich seine jahrelange Erfahrung aus, die er seit 1980 in der Produktion gesammelt hat. Trotz der Einschränkungen denkt der 54-Jährige noch lange nicht ans Aufhören. „Noch ein paar Jahre? Ich hoffe es sehr.“