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„Wir wollen Industrie-Standort bleiben“

Ministerpräsident Peter Müller: Ansiedlung von Ford im Saarland war eine der besten Entscheidungen.

  40 Jahre Ford-Saarlouis: Was bedeutet das für das Saarland?

Müller: Kohle, Stahl und die Autoindustrie haben unsere Region geprägt. Wir wollen Industrie- Standort bleiben. Ford leistet mit Neuentwicklungen wie dem Focus III, sicheren Arbeitsplätzen und vielen Zuliefer-Betrieben wesentliche Beiträge. Dennoch stehen die Ford-Standorte weltweit in Konkurrenz zueinander.

Halten Sie Saarlouis in den kommenden Jahren für abgesichert?

Müller: Die Konzernführung hat beschlossen, die Produktion der Focus-Familie für alle Weltmärkte von Saarlouis aus zu organisieren. Das ist eine Zukunftsgarantie. Das Werk gehört zu den produktivsten, verfügt über hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Ein Beweis, dass man nicht nur in Billig-Lohn-Ländern Autos mit Gewinn produzieren kann, wenn die Qualität stimmt.

Die Ansiedlung von Ford hatte einen Hauch von Abenteuer.

Müller: Ja, denn sie war mit einem Kurswechsel in die Industriepolitik verbunden. Zumal noch andere Autohersteller an eine Ansiedlung dachten. In den 60er Jahren äußerte die Landespolitik erst jedoch Bedenken. Man glaubte, den klassischen Industrien Bergbau und Stahl fehlten Arbeitskräfte, weil die Autoindustrie zu gut bezahlt. Dann wuchs doch die Überzeugung, Wachstum und Wohlstand besser durch einen breiteren Mix an Industrie-Branchen garantieren zu können. Die Ford-Ansiedlung war eine der besten Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte. Auch der Bau des Zulieferer-Parks in Nachbarschaft zum Werk.
 
Werden sich Technologien wie Elektroantrieb, Hybrid und Brennstoffzelle rasch durchsetzen?

Müller: Die Politik sollte sich hier zurückhalten. Das müssen der Markt, der Wettbewerb und die Produzenten entscheiden. Nach meiner Überzeugung muss es Aufgabe der Politik bleiben, die Rahmenbedingungen zu setzen. Sie soll vorgeben, was man an Schadstoff-Ausstoß zulässt. Und auch mal Anreize setzen – wie die Abwrackprämie. Das hilft, eine Wirtschaftskrise besser zu überstehen. Die Politik kann aber keinem Unternehmen helfen, das sich im Wettbewerb falsch verhält und selbst verschuldete Nachteile erleidet. Ich halte es da mit Ludwig Erhard: Staatshilfen für die Autoindustrie als Anpassung an Krisenverhältnisse – ja. Als reine Mittel zum Erhalt eines Unternehmens – nein.

Nach welchen Kriterien kaufen Sie ein Auto?
 
Müller: Dienstlich benötige ich ein Auto-Büro. Kriterien sind Bequemlichkeit während der Fahrt, Sitzkomfort, Möglichkeiten zum Lesen und Anfertigen von Akten-Notizen. Privat bevorzuge ich ein Fahrzeug mit etwas Platz, genug Raum für sperrige Güter und der Gewissheit, dass man auch mit lärmenden Kindern auf dem Rücksitz sicher durch den Verkehr kommt.
 
Das Gespräch führte Thomas Sponticcia.