Mit Ford begann eine neue Ära
1970 - 2010: Von den Anfängen mit dem Bau des "Escorts" bis heute - 40 Jahre Autogeschichte in Saarlouis.
Von Udo Rau und Volker Meyer zu Tittingdorf
Mit politischer Unterstützung des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard gelang die Ansiedlung des neuen europäischen Werkes des US-Automobilkonzerns Ford Motor Company. Die saarländischen Arbeiter waren an Schichtdienst gewöhnt – eine gute Voraussetzung für den Einsatz in der Automobilfertigung. Auch das Nachbarland Frankreich hatte als Standort zur Debatte gestanden, darüber hinaus hatte sich das luxemburgische Schengen um das Autowerk beworben. Baubeginn war bereits im Jahr 1966. Zwei Jahre später wurde die Produktion im Presswerk aufgenommen, gefertigt wurden Teile für andere Hersteller. Am 16. Januar 1970 feierte man das erste Ford-Automobil „Made in Saarlouis“: einen weißen Escort. Die „Nummer eins“ vom Saarlouiser Röderberg steht heute in der Eingangshalle des Werks und verteidigt dort seinen Ehrenplatz.
Gestartet wurde die Produktion mit rund 3000 Beschäftigten, die damals täglich 350 Escorts zusammenschweißten und -schraubten. Am Jahresende standen schon 6000 Frauen und Männer auf der Lohnliste, die in zwei Schichten 600 Autos bauten. Der Escort war ein Renner am Markt. Die verschiedenen Baureihen des Escort summierten sich auf 6,5 Millionen Fahrzeuge. Sehr bald wurden auch weitere Ford-Modelle in Saarlouis gebaut: der Ford Capri (1971 bis 1975), der Ford Fiesta (1976 bis 1980) und der Orion (1983 bis 1993).
Seit nunmehr zwölf Jahren wird in Saarlouis die Baureihe Focus – Nachfolger des Escort – produziert, mittlerweile auch der Ford Kuga (Familien- SUV) und der C-Max, ein Familien-Van. Bisher verließen fast zwölf Millionen Autos die Montagebänder.
Immer wieder wurde das Werk wegen seiner hohen Produktivität in der Spitzenposition der besten Ford-Werke weltweit geführt. Trotzdem schien der Fortbestand in den 90ern gefährdet. Die Ford-Chefs in Detroit bemängelten zu hohe Arbeitskosten. Saarlouis war gegenüber dem spanischen Schwesterwerk in Valencia ins Hintertreffen geraten. Die Produktion eines Escort sei dort mehrere hundert Mark billiger, die Spanier bauten den kleinen Fiesta gar für 1000 Mark weniger, hieß es damals. Die Einrichtung des Zuliefererparks im Jahr 1998 direkt neben der Autofabrik sicherte der Fabrik Saarlouis schließlich die Zukunftsfähigkeit.
Der Standort Saarlouis gilt heute als Muster- Werk und nimmt in der Produktion des neuen Focus, der weltweit verkauft werden soll, eine Leit-Funktion ein. Im Dezember 2010 beginnt die neue Ära: Saarlouis wird dann auch der einzige Fertigungsstandort des Focus für Westeuropa sein. Auf Jahre sind damit Tausende Arbeitsplätze gesichert – derzeit sind dies in Werk und Zuliefererpark zusammen rund 8500 Menschen.
Zahlen zum Ford-Werk Saarlouis:
In der Fabrik sind seit dem Produktionsstart am 16. Januar 1970 insgesamt mehr als 11,9 Millionen Autos gebaut worden. Im vergangenen Jahr – dem Krisenjahr – waren es 339 117 Fahrzeuge, im Jahr 2008 liefen 402 554 Autos vom Montageband. 2010 will das Unternehmen zumindest die Marke von 300 000 Fahrzeugen erreichen. An Produktionstagen verlassen etwa 1920 Neuwagen das Werk. Ford beschäftigt in Saarlouis rund 6500 Menschen, davon sind acht Prozent Frauen. Die Facharbeiterquote liegt bei mehr als 60 Prozent. Der Anteil der Auszubildenden beträgt etwa drei Prozent. Es wird im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Im unmittelbar angrenzenden Zuliefererpark sind weitere zirka 2000 Männer und Frauen tätig. Die Exportquote beträgt 80 Prozent. Hauptabsatzmärkte im Ausland sind England, Italien, Frankreich, Spanien und die Niederlande. Die bisher hergestellten Modelle: Escort, Capri, Fiesta, Focus, C-Max, Kuga und Focus RS.






