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Ein Klassensprung mit dem neuen Focus

Bernhard Mattes, Chef von Ford Deutschland, über das Saarlouiser Werk und den Start des neuen Focus.

  Was zeichnet den neuen Focus III aus?

Mattes: Er fällt sofort durch ein aufregendes, dynamischeres Design auf. Innenausstattung, Motortechnik, technologische Lösungen und Qualität sind ein Klassensprung. Zahlreiche Funktionen werden mit der Stimme gesteuert: etwa Telefon, Radio, Klimaanlage. Der Sprit-Verbrauch sinkt um zehn bis 20 Prozent.


40 Jahre Ford Saarlouis: Wie sicher ist das Werk in den kommenden Jahren?

Mattes: Es wird als einziges westeuropäisches Werk den Focus III herstellen. Das bringt Beschäftigung für viele Jahre.

Was gab bei der Ford-Chefetage in Detroit den Ausschlag für den Standort Saarlouis?

Mattes: Die Kompetenz. Eine hoch motivierte Mannschaft an der Saar hatte bereits den Beweis erbracht, kompakte Fahrzeuge wie den Focus der ersten und zweiten Generation in hervorragender Qualität mit der nötigen Flexibilität zu fertigen.
 
Wie ist der Zeitplan für die Focus-III-Einführung?

Mattes: Im Juli werden wir die ersten Fahrzeuge bauen. Während der Werksferien rüsten wir die Produktion um. Das ist eine große Herausforderung, denn gleichzeitig werden bis Jahresende täglich 1920 Focus des aktuellen Typs hergestellt. Die Produktion der ersten Variante des Ford Focus III startet im Dezember. Die Markteinführung in Deutschland ist im ersten Quartal 2011 vorgesehen.

Wie viel investieren Sie in den Anlauf der Focus- Familie?

Mattes:
Wir wollen unsere Konkurrenten nicht unnötig schlauer machen. Insgesamt haben wir in den vergangenen 40 Jahren in Saarlouis über drei Milliarden Euro investiert.

Der Focus III ist Teil des neuen Strategie-Konzepts „One Ford“. Was bedeutet das?

Mattes:
Ein Team arbeitet künftig weltweit vernetzt zusammen, hat einen gemeinsamen Plan und arbeitet an einem Produkt, das die Kunden weltweit schätzen.

Geschmäcker sind verschieden. Wie lässt sich ein Auto heute weltweit verkaufen?

Mattes: Wir bauen unsere Fahrzeug-Architektur weltweit so auf, dass wir flexibel sind, den jeweiligen Kundenbedürfnissen zu entsprechen. 80 Prozent der Einbauteile sind gleich, der Rest variiert je nach Region.
 
Was unterscheidet nach diesem Konzept künftig den Focus in Europa von dem in Amerika?

Mattes: Die gesetzlichen Anforderungen zur Zulassung einerseits. So müssen zum Beispiel Leuchten anders gestaltet werden, sind unterschiedliche Sicherheitsbestimmungen zu beachten. Andererseits erwartet der amerikanische Kunde beispielsweise eine etwas sanftere Auslegung des Fahrwerks, der Europäer setzt mehr auf Sportlichkeit. Der Focus soll bis zu 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen.

Sind noch weitere Reduzierungen drin?

Mattes: Ich sehe noch Spielraum durch eine weitere Optimierung der Benzin- und Dieselmotoren. Alle unsere Dieseltriebwerke sind umgestellt auf Euro 5, die Benziner neuer Generation basieren auf der Ecoboost-Technologie. Diese verbrauchen bei gleicher Leistung nochmals 20 Prozent weniger als herkömmliche Motoren. 80 Prozent unserer Ford-Focus-Autos stoßen heute weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Start-Stopp-Automatik und weitere Entwicklungen können noch viel bewirken.

Wird der Focus III das meistverkaufte Fahrzeug im Konzern?

Mattes: Wir planen weltweit zehn unterschiedliche Varianten auf der neuen Architektur und wollen zwei Millionen Fahrzeuge jährlich verkaufen. Je nach Land sehen wir den Focus als Erstfahrzeug beziehungsweise Zweitfahrzeug in der Familie. Wir sprechen auch Singles und gewerbliche Kunden an. Wenn der Focus III sehr gut ankommt, kann er das meistverkaufte Fahrzeug werden.

Setzen Sie beim Focus III von Anfang an auch auf Elektro- und Hybrid-Varianten?

Mattes: Der Ford Focus mit Elektro-Antrieb startet bereits 2011 erst in Amerika, 2012 dann auch in Europa. Hybrid-Varianten führen wir mit dem neuen Ford C-Max ein.

Wie wichtig ist der deutsche Markt für Ford?

Mattes:
Vom gesamten Absatzvolumen aller Hersteller bleibt er an der Spitze in Europa, speziell für Ford kommt er an zweiter Stelle nach England. In den ersten vier Monaten 2010 liegt unser deutscher Marktanteil bei sieben Prozent. Wir wollen diese Position 2010 halten und 2011 ausbauen.

Wann startet der Focus III auf welchen Märkten?

Mattes: Die größten fünf europäischen Märkte werden zuerst bedient: England, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Hier beginnen wir Anfang 2011. Dann folgen in rascher Reihenfolge weitere 60 Märkte.

Welchen Ford fahren Sie am liebsten?

Mattes: Den Ford Focus RS 500, die Krönung der Focus-II-Baureihe. Seine Fahrdynamik überzeugt mich. Er hat 350 PS. Geschäftlich fahre ich derzeit den Ford Mondeo, der viele Reiseannehmlichkeiten bietet.

Gespräch: Thomas Sponticcia