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Wettbewerb Mittellanger Film

(Veröffentlicht am 12.01.2009)

Plakatausschnitt 2008

Foto: Filmfestival Max Ophüls Preis

Foto 1 / 1
Hinter den Dünen
Regie: Christian Bach; Deutschland 2008, 35mm, Farbe, 30 Min., Uraufführung

Opa Bruno hat einen Inselurlaub gewonnen und Familie Kubiack lässt sich die Chance auf Gratisferien nicht entgehen. Da nehmen sie sogar Brunos Laster und Launen in Kauf. Für den achtjährigen Sohn Julius ist der Urlaub mit dem ungeliebten Großvater alles andere als ein Traum. Aber Traum und Albtraum liegen ja häufig dicht beieinander.



2012
Regie: Marcus Overbeck; Deutschland 2008, HD Cam, Farbe, 37 Min., Uraufführung

Im Jahr 2012 kontrolliert der Großkonzern AETAS alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Gabriel, eigentlich Konzernmitarbeiter und damit Teil des Systems, gerät durch den mysteriösen Selbstmord seiner Großmutter in die unerbittlichen Mühlen der Macht. Unter dem Einfluss neurologischer Experimente beginnt für Gabriel die Grenze zwischen Wahrnehmung und Realität zu verschwimmen.

SZ-Kurzkritik:
„2012“ von Marcus Overbeck führt in eine kühle Zukunft, in der „abweichende Verhaltensmuster“ mit „psychologischen Verhaltensmustern“ bekämpft werden. Ein sehenswerter, visuell durchdachter Film im Cinemascope-Format, mit aufwändigem Klangdesign und einem Ende, das ich mir im Laufe des Festivals erklären lassen muss. tok



Das Große Glück sozusagen
Regie: Alexander Stecher; Österreich 2008, HD Cam, Farbe, 53 Min.

Georg ist ein Schriftsteller, der auf den großen Durchbruch hofft. Eines Tages begegnet ihm Alois, den er aus einer prekären Situation befreit. Fortan heftet sich Alois an Georgs Fersen und sieht in ihm den lang ersehnten Freund. Sehr zum Leidwesen von Georg. Doch nach und nach bemerkt dieser, dass in Alois vielleicht die perfekte Romanfigur steckt.

SZ-Kurzkritik:
In "Das große Glück sozusagen" von Alexander Stecher lernen wir Alois kennen, einen Mann, der gerne skeptisch-großäugig in die Welt glotzt und einen hohes Talent für peinliche Situationen besitzt. In solche reißt er seine Zufallsbekanntschaft Georg hinein, der sich erst mit Händen und Füßen gegen ihn wehrt, dann aber beginnt, diesen Alois sehr genau zu beobachten: Denn bei ihm findet der Romancier mit Schreibblockade Anregungen für sein neues Werk, das seinen Lektor ebenso entzückt wie den Kulturbetrieb. Eine flotte, gut gespielte Farce über einseitige Freundschaften, Eitelkeit und Arroganz gegenüber eher Schlichtgestrickten. tok



Der Weltenbauer
Regie: Oliver Kühr, Sascha Haas; Deutschland 2008, HD Cam, Farbe, 30 Min.

Bedrohlich liegt ein Revolver in der Küche einer Villa. Was ist nur mit dem Leben des erfolgreichen Architekten Erik Faber los? Er müsste doch ein glücklicher Mann sein: Mit seiner wunderschönen Frau Jenny und ihren beiden Kindern lebt er in einem von ihm selbst entworfenen Traumhaus. Aber Faber spürt, dass sich hinter der perfekten Fassade eine furchtbare Wahrheit versteckt.

SZ-Kurzkritik:
Ein Architekt (Ralf Herforth) fährt zur Arbeit, die Welt um ihn herum mustert ihn argwöhnisch, als wüsste sie etwas, das er nicht weiß. Langsam setzt sich ein Puzzle zusammen, das alles erklärt. Dem Zuschauer mag diese Aufklärung weit schneller dämmern als der Hauptfigur, und manche Symbole sind wenig subtil; aber die Inszenierung von Sascha Haas und Oliver Kühr hält den Film gekonnt in der Schwebe und taucht ihn in eine merkwürdige, traumartige Atmosphäre des Unbehaglichen. tok



Etui
Regie: Thomas Vondrak; Österreich 2008, DigiBeta, Farbe, 30 Min., dt. Erstaufführung

Im Wiener Rotlichtmilieu bestimmen Sex, Drogen und Wettscheine das Leben. Hier regiert Peppi, ein unwirscher Kneipier und Zuhälter, der sein Personal schikaniert. Sowohl die Prostituierte Eveline, als auch seine beiden Handlanger Lucky und Ali stehen in seiner Schuld. Aber Peppi, der alles im Griff zu haben glaubt, muss feststellen, dass gutes Personal nur schwer zu finden ist.

SZ-Kurzkritik:
Jede Geschichte hat mehrere Seiten. "Etui" von Thomas Vondrak zeigt die verschiedenen Seiten hintereinander - bis die Geschichte eine andere ist als sie anfangs schien. Um einen cholerischen Zuhälter geht es, um einen Senior und eine Hure im Puff, um Drogen und um einen Wettschein. Ein atmosphärisch dichter Exkurs über die Macht des Zufalls und den richtigen Griff zur rechten Zeit. tok



Grenzland
Regie: Nicole Volpert; Deutschland 2008, 35mm, Farbe, 32 Min., dt./pol. mit UT, Uraufführung

Der zwölfjährige Woytek und sein zehnjähriger Freund Konrad leben diesseits und jenseits der deutschpolnischen Grenze. Trotz der Verbote ihrer Eltern treffen sich die beiden Jungen heimlich im Grenzstreifen zum Indianerspielen. Doch völlig unvermittelt hat der „Sommer der Indianer“ ein Ende.

SZ-Kurzkritik:
Vom Ende einer Kindheit erzählt "Grenzland" von Nicole Volpert, die den Film der verstorbenen Ophüls-Leiterin Birgit Johnson widmet. Zwei Freunde leben dies- und jenseits der deutsch-polnischen Grenze und flüchten sich vor einer drögen Erwachsenenwelt in eine Comic-Sphäre der Indianer und der Naturmystik. Nach einem Unglücksfall ist diese Weltenflucht der einzige Trost. Auch wenn dieser Trost in wenig subtiler Symbolik daherkommt und die Musik klischeehaft klingt, berührt der Film durch seine guten Kinderdarsteller und eine ruhige, sensible Art des Erzählens. tok



Im Anhang Lebenslauf
Regie: Andrea Schorr; Deutschland 2008, DigiBeta, Farbe, 58 Min., dt. Erstaufführung

Greta ist alles andere als begeistert von ihrem Leben. Seit dem Studium hält sie sich mit Volontariaten und Praktika über Wasser. Nun soll sie einen Job in Rumänien antreten, betrinkt sich aber auf ihrer Abschiedsparty so maßlos, dass sie den Flug verpasst. Ausgerechnet der Langweiler Micha bietet ihr an, sie mit dem Auto zu fahren. Ein Zusammenprall zweier Lebensentwürfe, wobei nur eins sicher scheint: Der des anderen ist noch schlimmer.

SZ-Kurzkritik:
Greta hat einen Kater, Micha einen Bus, erfreulicherweise. Denn so kann der Mann mit Festanstellung seine Bekannte zum Praktikum nach Rumänien chauffieren, nachdem sie im Vollrausch den Flug verpasst hatte. „Im Anhang: Lebenslauf“ von Andrea Schorr stellt flippige Endlos-Praktikantin und bodenständigen Gutverdiener gegeneinander – zwei Lebensstile, mit dem beide nicht recht glücklich werden. Der Film beginnt munter und improvisiert wirkend, die Fahrt in den Osten zieht sich dann aber ein wenig. tok



Record 12
Regie: Simone/ Wendel, Mario A. Conte; Deutschland 2008, DigiBeta PAL, Farbe , 65 Min.

Eine Frau wird in ihrem Haus von Überwachungskameras beobachtet. Plötzlich schließen sich die Rollläden und das Haus wird komplett verriegelt. Allmählich begreift sie, dass sie eine Gefangene in ihren eigenen vier Wänden ist.

SZ-Kurzkritik:
„Record 12“ von Simone Wendel und Mario A. Conte erzählt von Geistern, die sich in der Welt bemerkbar machen und von den Lebenden, nicht zuletzt dem Vatikan, bekämpft werden. Meret Becker spielt eine Frau, die in ihrem Haus überwacht und verfolgt wird. Oder liegt der Fall doch anders? Ein etwas zu lang geratenes Kammerspiel mit manchen gruseligen Momenten. tok



Schlaraffenland
Regie: Sarah Judith Mettke; Deutschland 2008, HD Cam, Farbe, 32 Min.

Die zwölfjährige Cosima und ihr kleiner Bruder werden von ihrer Mutter beim Vater abgeliefert, der mit neuer Frau und Tochter auf dem Land lebt. Durch einen Unfall kommen die beiden Erwachsenen ums Leben. Die drei Kinder proben nun auf eigene Faust das Familienleben im elternfreien „Schlaraffenland“.

SZ-Kurzkritik:
Wenn die Katze weg ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. In "Schlaraffenland" sind die Kinder die Mäuse und die Eltern die Katze - nicht weg, aber mausetot, im Lotterbett erschlagen vom Kronleuchter. Die verbliebenen Kinder genießen die neue Freiheit, auch wenn sie gegen den Leichengeruch im ersten Stock immer mehr Raumspray versprühen müssen und bei der Leichenbeseitigung auf den Hunger schnöder Nacktschnecken hoffen. Regisseurin Sarah Judith Mettke erzählt witzig, makaber und mit gut geführten Kinderdarstellern, nur das Ende ist etwas unbefriedigend. tok



Spielzeugland Endstation
Regie: Daniel Stieglitz; Deutschland 2008, DVD, Farbe, 44 Min., Uraufführung

Schon als Kind wurde er zu dem gemacht, was er heute ist: ein einsamer Profikiller. Als er kurz vor Weihnachten seinem nächsten Opfer auflauert, wird er von dessen kleiner Tochter überrascht. Anstatt sich zu fürchten, hält diese ihn für den Weihnachtsmann und bittet ihn um eine Gute-Nacht-Geschichte. Wie soll er dieser Situation entkommen, ohne das kleine Mädchen zu desillusionieren?

SZ-Kurzkritik:
Der Tod kommt im Schlaf – und er trägt einen angeklebten Bart: Ein Auftragskiller zieht stoisch seine mörderischen Kreise, bis er ein kleines Mädchen trifft und sich entscheiden muss, wie und ob das eigene Leben weitergeht. Die Kollision Killer/Mädchen klingt arg plakativ – aber „Spielzeugland Endstation“ von Daniel Stieglitz macht aus der Idee einen bittersüßen Film über übermächtige kindliche Traumata und den Versuch, sie doch noch zu überwinden. Unterstützt wird die Geschichte von detailfreudigster Ausstattung und einer Farbdramaturgie, die immer wieder die bunte Wärme in das triste Lebensgrau des Mörders fließen lässt.
tok



Torpedo
Regie: Helene Hegemann; Deutschland 2008, DigiBeta, Farbe, 42 Min.

Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 15-jährige Mia zu ihrer Tante, der Schauspielerin Cleo, die mit Sohn Fritzi in einer Berliner WG lebt. Mia sehnt sich nach Halt und Aufmerksamkeit – doch zwischen Cleos Theaterproben und deren beziehungsgestörter Mitbewohnerin Elise findet sich Mia in einer Erwachsenenwelt wieder, die selbst vom Leben überfordert scheint.

SZ-Kurzkritik:
In „Torpedo“ erzählt Helene Hegemann (Jahrgang 1992) von einem Mädchen (Alice Dwyer, Darstellerpreisträgerin 2008), das nach dem Tod der Mutter bei der Tante strandet, die selbst genug mit dem Leben zu kämpfen hat. Das ist bunt, oft flott, wirkt manchmal allerdings etwas ziellos – was aber vielleicht auch so sein soll. tok

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